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Deutet sich in der Pflege ein Klimawandel an?

Bildbeschreibung: Eine Ältere Frau im Garten.
Foto: © Benjamin Balazs

In einer Pressemitteilung äußert sich der Deutscher Pflegetag zum CARE Klima-Index. Die Stimmung in der Pflegebranche steigt im Vergleich zum Vorjahr leicht an, so die Ergebnisse des CARE Klima-Index 2019, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Er bleibt aber weiterhin unter dem Wert des Basisjahres 2017. Auch der Stellenwert, den das Thema Pflege bei der Politik einnimmt, wird von den Befragten in 2019 wieder höher bewertet. Jedoch sehen die Befragten nach wie vor die Arbeitsbedingungen und die wirtschaftliche Situation der Pflegebranche eher negativ. Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), zu den Ergebnissen des CARE Klima-Index 2019: „Wir müssen deutlich mehr in die Pflege investieren, wenn wir die Qualität der Versorgung erhöhen und sie auch zukünftig sicherstellen wollen.“

Die Stimmung in der Pflegebranche steigt im Vergleich zum Vorjahr leicht an, so die Ergebnisse des CARE Klima-Index 2019, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Er bleibt aber weiterhin unter dem Wert des Basisjahres 2017. Auch der Stellenwert, den das Thema Pflege bei der Politik einnimmt, wird von den Befragten in 2019 wieder höher bewertet. Jedoch sehen die Befragten nach wie vor die Arbeitsbedingungen und die wirtschaftliche Situation der Pflegebranche eher negativ. Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), zu den Ergebnissen des CARE Klima-Index 2019: „Wir müssen deutlich mehr in die Pflege investieren, wenn wir die Qualität der Versorgung erhöhen und sie auch zukünftig sicherstellen wollen.“

Der CARE Klima-Index wird seit 2017 vom Deutschen Pflegetag gemeinsam mit dem Befragungsinstitut Psyma Health & CARE GmbH erhoben und zeigt aktuelle Einschätzungen und Trends in der Pflegebranche auf. „Der CARE Klima-Index bietet einen repräsentativen Indikator für das Stimmungsbild in der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Er bildet seit nunmehr drei Jahren einen elementaren Bestandteil des Deutschen Pflegetages. Seine Ergebnisse spiegeln sich in den dort geführten Debatten zwischen Politik, Pflege, Wirtschaft und Gesellschaft über die künftige Ausgestaltung unserer pflegerischen Versorgung wider“, so Jürgen Graalmann, Geschäftsführer des Deutschen Pflegetags. Der CARE Klima-Index lag 2019 bei 97,3 und hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Punkte erhöht. Dennoch liegt der Wert unter dem Ausgangswert 100 von 2017. Stephanie Hollaus, Projektverantwortliche des CARE Klima-Index Deutschland beim Befragungsinstitut Psyma, spricht von einer leichten Entspannung, die jedoch kein Grund zur Entwarnung sei: „Innerhalb der Profession Pflege ist die Botschaft offensichtlich angekommen, dass die Politik für die Pflege aktiv geworden ist.“ Dies spiegele sich jedoch noch nicht im Arbeitsalltag wider, so Hollaus. Dies betont auch Franz Wagner: „Die Verbesserung der Stimmung im CARE Klima-Index steht für den Deutschen Pflegerat in gewissem Widerspruch zur von uns wahrgenommenen Lage der Pflege.“ Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus sieht den Grund nicht in einem Mangel an politischen Reformen, sondern betont, dass viele Änderungen erst noch in der Praxis ankommen müssen: „Die Zahl der Gesetzesänderungen und Reformen seit 2017 ist rekordverdächtig. Viele davon treten jetzt erst 2020 in Kraft, wie beispielsweise das Pflegebudget im Krankenhaus, oder entfalten in diesem Jahr ihre Wirkung – wie die generalistische Ausbildung oder der Umbau des neuen, unabhängigen Medizinischen Dienstes.“ Hier sei nun auch die Branche gefragt, die Reformen umzusetzen.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt den CARE-KLIMA Index von 2017 bis 2019Foto: Psyma CARE Klima-Index Deutschland, 2019

Kritik an Arbeitsbedingungen, Skepsis bei den Zukunftsaussichten

Die Einschätzung unter professionell Pflegenden, dass die Pflege einen zu geringen Stellenwert in der Politik einnimmt, geht weiter zurück. Waren im ersten Erhebungsjahr 2017 noch 91 % der befragten Pflegefachpersonen der Ansicht, der Stellenwert der Pflege nehme in der Politik ab, stimmten dem 2019 nur noch 82 % zu. Wie die Auswertung zeigt, geht dies jedoch nicht mit einer Verbesserung des Arbeitsalltags einher. Im Gegenteil: In der Wahrnehmung von 37 % der befragten professionell Pflegenden hat sich der Pflegealltag durch gesetzliche Reformen sogar verschlechtert. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und 18 Prozentpunkte über dem Ausgangswert von 2017. Noch deutlicher ist der Anstieg nach Ansicht von Pflegemanagement und akademischer Pflege. Hier hat sich der Wert von 2017 bis 2019 von 21 % auf 43% mehr als verdoppelt.

Eine Entspannung ist auch in Bezug auf die wirtschaftliche Situation nicht in Sicht: In allen drei Pflegesektoren (ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser) hat sich der Anteil derer, die die wirtschaftliche Lage als schlecht einschätzen, seit 2017 um 8 Prozentpunkte auf 43 % erhöht. Besonders schlecht wird die Lage der ambulanten Pflege eingeschätzt. Hier erhöhte sich der negative Wert um 12 Prozentpunkte.

Ihre Arbeitsbedingungen bewertet mit 56 % noch immer die Mehrheit der Befragten als schlecht. Dies stellt zwar einen Rückgang um 4 Prozentpunkte dar, liegt aber noch immer über dem Vergleichswert von 51 % aus dem Jahr 2017. „Zentrales Problem ist weiterhin die chronisch zu hohe Arbeitsbelastung, die durch die Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen noch verschärft wird“, so DPR-Präsident Wagner.

Aktivitäten zur Arbeitsplatzattraktivität der Arbeitgeber überschaubar – trotz drohender Zuspitzung des Fachkräftemangels

Unter den Befragten nimmt der Anteil derer, die mit einem Fachkräftemangel in den nächsten 10 Jahren rechnen, zwar um 8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr ab. Dennoch liegt ihr Anteil mit 68 % bei über zwei Dritteln. Unter professionell Pflegenden gehen sogar 86 % davon aus, dass nicht alle nötigen Stellen besetzt werden können. DPR-Präsident Wagner spricht in diesem Zusammenhang von einer „demografischen Zeitbombe“, denn „in den nächsten 10 bis 15 Jahren werden etwa 40 % der Pflegefachpersonen in Rente gehen“.

Ernüchternd fällt das Urteil der Befragten über die ergriffenen Maßnahmen von Arbeitgebern aus, um Personal zu binden. Unter den professionell Pflegenden sind allgemeine Fortbildungsmaßnahmen mit 43 % das am häufigsten genannte Angebot zur Erhöhung der Arbeitsplatz-Attraktivität. 37 % der befragten Pflegefachpersonen geben allerdings an, dass gar keine Maßnahmen ergriffen werden.

Unter den professionell Pflegenden herrscht in Bezug auf die zukünftige Qualität der Pflegeversorgung noch immer Skepsis vor. Während 39 % aller Befragten nicht daran glauben, dass die pflegerische Versorgung künftig sichergestellt werden kann, sind es unter den professionell Pflegenden sogar 59 %.

Patientensicherheit Opfer der Ökonomisierung?

Bei der Beurteilung der Patientensicherheit ist eine positive Tendenz spürbar. Im Vergleich zu 2018 geben nur noch 22 % der Befragten an, dass sie nicht gewährleistet sei. Zuvor waren es 6 % mehr. Trotz der leichten Verbesserung sei dieser niedrige Wert laut DPR-Präsident Wagner nicht hinnehmbar: „Auch wenn ‚nur noch‘ 78% der Befragten Patientensicherheit als niedrig oder nur teilweise gewährleistet sehen, ist das eine Bankrotterklärung für das Gesundheitssystem mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben in der EU.“ Als Ursache nennt er die Ökonomisierung im Gesundheitsbereich.

In der Einschätzung der Versorgung von Pflegeheimbewohnern fällt die negative Bewertung der Leistung von Fachärzten (50 %) sowie von Zahnärzten (46 %) besonders auf. Für DPR-Präsident Wagner kommt dieses Ergebnis nicht überraschend: „Die Probleme mit der ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen sind ein bekanntes Problem. Hier besteht auch ein Ansatzpunkt für erweiterte Aufgaben und Verantwortungsübernahme durch dafür spezialisierte Pflegefachpersonen.“

Zusammenarbeit der Institutionen im Mittelfeld, Beratungsqualität zunehmend positiver

Aus Sicht der Befragten überwiegt die Einschätzung, dass sich die Versorgung von Pflegebedürftigen zwischen den Schnittstellen im Versorgungssystem im Mittelfeld bewegt. Am besten schätzen die Befragten mit 35 % den Übergang vom Krankenhaus in die Reha ein. Eine positive Tendenz spiegelt sich bei der Einschätzung der Beratungsqualität zur pflegerischen Versorgung wider. Am besten schätzen die Befragten die Beratung von Pflegefachpersonen (45 %) ein. Pflegende Angehörige sehen mit 26 % ihre erste Anlaufstelle bei den Krankenkassen, Pflegebedürftige wenden sich am ehesten an Hausärztinnen und -ärzte (28 %).

Zuspruch für mehr Leistungen der Pflegeversicherung – auch bei höheren Beiträgen

Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist mit 88 % weiterhin der Ansicht, dass die Leistungen der Pflegeversicherung ausgeweitet werden sollten. Ebenfalls hoch ist unter den Befragten mit 74 % die Bereitschaft, höhere Beiträge dafür zu zahlen.

Innovation in der Pflege: Der Wunsch nach Erweiterung der pflegerischen Kompetenz an erster Stelle

Eindeutige Ergebnisse liefert die Befragung im Hinblick auf wünschenswerte Innovationen in der Pflege. Das Votum der Befragten fällt mit 68 % klar zugunsten einer Erweiterung der pflegerischen Kompetenz aus. Im Gegenzug erfährt Robotik nur einen Zustimmungswert von 14 %.

Pia Zimmermann von den Linken, die Sprecherin der Pflegepolitik äußert sich in ihrer Pressemitteilung zur Solidarische Pflegevollversicherung:

Solidarische Pflegevollversicherung ist unausweichlich „Die Pflegepolitik der letzten Jahre wurde von der CDU geprägt. Für sie sind die heute vorgestellten Ergebnisse ein direkter, aber nicht überraschender Schlag ins Gesicht. Die CDU-Politik gegen die Mehrheit der Menschen ist gescheitert“, sagt Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf den sogenannten CARE Klima-Index. Pia Zimmermann weiter: „Der Anteil der Pflegekräfte, die den Pflegealltag durch die Reformen der letzten Jahre als verschlechtert einschätzen, steigt drastisch.

Wie sollen auf dieser Basis Menschen für den Beruf gewonnen werden? Bis 2030 braucht es jedes Jahr zusätzlich 13 000 Pflegekräfte im absoluten Minimum, um lediglich die derzeitigen Verhältnisse und Bedingungen halten zu können. Es ist aber allen Beteiligten klar, dass es so eben nicht weitergehen kann. Wegweisend ist die von der Umfrage belegte Bereitschaft zur Solidarität.

Fast neun von zehn der Befragten wollen deutliche Leistungsverbesserungen. Drei Viertel sind bereit, dafür höhere Beiträge zu zahlen. Der erste notwendige Schritt ist die Einführung der Solidarischen Pflegevollversicherung. Damit werden auf sämtliche Spitzeneinkommen der bislang privat Pflegeversicherten die in der gesetzlichen Pflegeversicherung üblichen Beitragssätze erhoben. Das aber will die CDU nicht – auch wenn dadurch jährlich Milliarden erschlossen werden könnten. Eine Pflegevollversicherung wäre damit ebenso leicht möglich, wie die von Befragten angemahnten Leistungsverbesserungen. Beides wird es nicht mit der, sondern nur gegen die CDU geben.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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