EU-Schwerbehinderung

Das Online-Nachrichtenmagazin.
Politik, Soziales, Behinderung, Rente
und vieles mehr .... Kritisch, sachlich und offen. Pflege-news Nachrichtendienst zur Behindertenpolitik

Erhöhte Sterblichkeit bei Sepsis (Blutvergiftung)

Bildbeschreibung: Jemand in einem Labor der ein Blutprobe in einem Röhrchen in der Hand hält.
Foto: © ThisIsEngineering

In Deutschland sterben vergleichsweise viele Patienten an Sepsis (Blutvergiftung). Wissenslücken in der Bevölkerung, aber auch beim medizinischen Personal könnten dazu führen, dass eine Sepsis zu spät diagnostiziert und behandelt werde, heißt es in der Antwort Drucksache: 19/22137 der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage Drucksache: 19/21651 der Linksfraktion.

Daneben könne eine unzureichender Impfschutz ebenso eine Rolle spielen wie die mangelnde Einhaltung von Hygienevorschriften. 2016 wurden den Angaben zufolge in Deutschland rund 136.000 Behandlungsfälle mit Sepsis als Hauptdiagnose und rund 165.000 Behandlungsfälle mit Sepsis als Nebendiagnose registriert.

Auslöser einer Sepsis ist eine Infektion des Blutkreislaufs durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Die folgende Immunreaktion des Körpers kann Organe schädigen und bei einem Multiorganversagen einen tödlichen Verlauf nehmen.

In der Drucksache 19/22137 heißt es:

Bei einer Sepsis („Blutvergiftung“) reagiert das Immunsystem auf eine Infektion so heftig, dass es den eigenen Körper schädigt. Vor allem wenn die Sepsis nicht schnell behandelt wird oder es zu einem septischen Schock kommt, endet sie oft tödlich. Mit geschätzten 75 000 Todesfällen jährlich in Deutschland gehört die Sepsis zu den häufigsten Todesursachen überhaupt. Das Qualitätsmanagementprojekt „Sepsisdialog“ der Universität Greifswald rechnet sogar mit ca. 90 000 sepsisbedingten Todesfällen.

In Deutschland ist sowohl das Risiko, an Sepsis zu erkranken als auch im Erkrankungsfall an Sepsis zu versterben, zu hoch. Darauf deuten internationale Vergleiche hin.

Fachgesellschaften und andere Vereinigungen wie die Sepsis-Stiftung haben folgende Charakteristika der Gesundheitssysteme in Ländern mit niedriger Sepsissterblichkeit ausgemacht:

• effektive nationale Programme zur Infektionsprävention und Infektionskontrolle,

• standardmäßige Implementierung von Routinen zur Früherkennung von kritisch kranken Patienten,

• behördliche Kommissionen und Institutionen, die die Gesundheitsdienstleister auf Bundes- und Länderebene beim Qualitätsmanagement unterstützen und systematisch die Einhaltung von Qualitätsstandards und die Ergebnisqualität überwachen,

• eine starke Verankerung der Fachgebiete Infektiologie, klinische Mikrobiologie, Notfall- und Intensivmedizin in der Krankenversorgung (ebd.).

Bei der Sepsis handelt es sich um die schwerste Verlaufsform einer Infektion, die unbehandelt oft zum Tode führt. Die Häufigkeit der Sepsis zeigt weltweit eine steigende Tendenz. Dies ist u. a. in der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Zunahme älterer Patientinnen und Patienten, die an chronischen Erkrankungen leiden oder invasive und operative Behandlungen in Anspruch nehmen müssen und der zunehmenden Zahl an Therapieverfahren wie z. B. Chemotherapie, die zu einer Schwächung des Immunsystems führen, begründet.

Antibiotika-Resistenzen tragen aufgrund des dadurch bedingten Therapieversagens ebenfalls zu einem Anstieg der Sepsis-Fälle bei. Die Bekämpfung der Sepsis ist für die Bundesregierung aufgrund der in Deutschland vergleichsweise hohen Krankenhaussterblichkeit der Sepsis von hoher Bedeutung. Die im Mai 2017 von der Weltgesundheitsversammlung (WHA) verabschiedete Resolution zu Sepsis wurde von Deutschland mitinitiiert. Die Bundesregierung setzt bereits seit längerem Maßnahmen um, die auch der Reduzierung von Sepsis-Fällen dienen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO) erstellt Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen.

Nosokomiale Infektionen sind für circa die Hälfte aller Sepsisfälle verantwortlich. Um die Krankenhäuser bei der Erfüllung der Anforderungen an die Ausstattung mit Hygienefachpersonal zu unterstützen, wurde im Jahr 2013 das Hygieneförderprogramm eingerichtet. Das Programm fördert Personaleinstellungen, Fortund Weiterbildungsmaßnahmen sowie Beratungsleistungen. Nach einer ersten Verlängerung im Jahr 2016 wurde das Programm 2019 um weitere drei Jahre verlängert. Dabei wurde der bestehende Schwerpunkt im Bereich Infektiologie weiter verstärkt. Die Verfügbarkeit von ausreichend qualifiziertem Personal ist eine wesentlich Voraussetzung für die Prävention, Diagnostik und Therapie der Sepsis.

Maßnahmen zur Reduzierung von Antibiotika-Resistenzen werden in der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ gebündelt. Aufgrund der hohen gesundheitspolitischen Bedeutung des Themas und der internationalen Selbstverpflichtungen wird die DART über 2020 hinaus fortgeführt. Die Steigerung der Impfquoten wird im Rahmen des Nationalen Impfplans aufgegriffen. Insbesondere ambulant erworbene Infektionen, die zu einer Sepsis führen können, sind oft impfpräventabel.

Plant die Bundesregierung, einen Nationalen Sepsisplan zu initiieren, wie ihn die Sepsis-Stiftung fordert?

Wie in der Vorbemerkung der Bundesregierung dargestellt, setzt die Bundesregierung zur Bekämpfung der Sepsis wesentliche Maßnahmen bereits um. Aus diesem und den in der Antwort zu Frage 1 dargestellten Gründen, wird die Bundesregierung keinen Nationalen Sepsisplan initiieren. Mit dem Memorandum für einen Nationalen Sepsisplan der Sepsis-Stiftung liegt aus Sicht des Bundes bereits eine gute Grundlage für weitergehende Aktivitäten der Länder vor.

Abonnieren Sie unseren Newsletter*

* Mit den Abonnoment des Newsletters, akzeptieren Sie unsere Datenschutzrichtlinie

Abonnieren sie uns auf Google-News

Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der LINKEN im Bundestag teilt mit:

„Die Weigerung des BMG, erste einfache Schritte zur Senkung der Sepsis-Sterblichkeit einzuleiten, ist nicht nachzuvollziehen. Andere Länder wie Australien, USA und England können das. Warum verweigert sich die Bundesregierung? Fest steht: Herr Spahn bricht seine im Amtseid eingegangene Verpflichtung, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



Kurznachrichten

Coronavirus

Aktuelle Nachrichten

weitere Nachrichten

Kommentare (0)

Rated 0 out of 5 based on 0 voters
Bisher wurden hier noch keine Kommentare veröffentlicht

Einen Kommentar verfassen

  1. Posting comment as a guest. Sign up or login to your account.
Rate this post:
Anhänge (0 / 3)
Deinen Standort teilen



0
+

Gefällt Ihnen der Artikel?

Liken Sie uns. Vielen Dank