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Kritik an Impfpflicht für Pflegekräfte

Bildbeschreibung: Jemand der eine Spritze in der Hand hält.
Foto: © Karolina Grabowska

Eine Impflicht hat die Bundesregierung gegen das Coronavirus bisher abgelehnt. Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat dieses zudem andauernd gesagt, das keine Impflicht geben werde. Nun sorgt aus Bayern der Vorschlag für eine Impflicht für Pflegekräfte für massive Kritik.

Der Deutsche Ethikrat solle deshalb Vorschläge machen, "ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre", sagte der CSU-Chef der "Süddeutschen Zeitung". "Sich impfen zu lassen, sollte als Bürgerpflicht angesehen werden", sagte Söder. Leider gebe es derzeit aber „unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen eine zu hohe Impf­ver­weigerung“. (wir berichteten)

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat erklärt zu eine Impfpflicht für beruflich Pflegende: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat heute eine Impfpflicht für beruflich Pflegende in die Diskussion gebracht. In ihrem Statement kritisiert die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Professorin Christel Bienstein, diesen Vorschlag scharf.

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„Eine Impfpflicht für beruflich Pflegende lehnen wir ab. Momentan können sich nicht einmal all die beruflich Pflegenden impfen lassen, die dies dringend wünschen. Hier wird außerdem gerade ein Generalverdacht gegenüber den Pflegefachpersonen aufgebaut, der ungerecht und kontraproduktiv ist. Ausgerechnet diejenigen anzugehen, die seit fast einem Jahr an und über der Belastungsgrenze arbeiten, ist unsäglich. Außerdem liegen keine belastbaren Zahlen dazu vor, wie hoch die Impfbereitschaft tatsächlich ist und aus welchen Gründen einige der Pflegenden der Impfung skeptisch gegenüberstehen.

Sowohl die beruflich Pflegenden als auch die Menschen mit Pflegebedarf werden durch eine solche Debatte unnötig verunsichert. Stattdessen sollte man gezielt Fragen und Unsicherheiten auflösen und damit die Impfbereitschaft deutlich erhöhen sowie belastbare Daten erheben, anhand derer man die tatsächliche Impfbereitschaft einschätzen kann. Gute Informationen für die unterschiedlichen Zielgruppen und eine Aufklärungskampagne sind aus unserer Sicht die Mittel, mit denen die Impfbereitschaft in der gesamten Bevölkerung erhöht wird. Zudem ist die Impfung für die Pflegenden bundesweit vor Ort an deren Arbeitsstelle zu organisieren. Wir empfehlen den beruflich Pflegenden die Impfung, da sie besonders gefährdet sind und sich mit der Impfung am besten schützen können. Die Impfung muss aber freiwillig bleiben.“

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Zudem hat kritisiert Ver.di das vorgehen. Nach Abwägung aller Chancen und Risiken ist es schon aus Gründen des Selbstschutzes und des Schutzes der Angehörigen angeraten, sich impfen zu lassen, sofern nicht ernste gesundheitliche Gründe dagegen sprechen“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. „Die Impfung muss freiwillig sein; eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen darf es nicht geben.“ Die Betroffenen, beispielsweise Pflegepersonen sowie Ärztinnen und Ärzte, müssten selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollten.

„Die Debatte um eine Impflicht ist kontraproduktiv für die gesellschaftliche Akzeptanz der Impfmaßnahmen“, so Werneke weiter. „Stattdessen muss deutlich mehr Überzeugungsarbeit für die Impfmaßnahmen geleistet werden.“ Gerade Pflegepersonen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen würden seit Jahren am eigenen Leib erfahren, dass Politik und Arbeitgeber die Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten auf Grund von viel zu wenig Personal billigend in Kauf nähmen. „Jetzt müssen Politik und Arbeitgeber aktiv und transparent über alle Aspekte der Impfung aufklären.“ Zudem seien Bund und Länder aufgefordert, endlich für eine zügige und reibungslose Umsetzung der Impfkampagne zu sorgen.

Kordula Schulz-Asche von den Grünen, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik, teilt zur Diskussion um die Impflicht mit:

Pflegekräfte sind seit über einem Jahr eine starke Stütze in der Pandemiebekämpfung. Gerade in den ersten Monaten der Pandemie haben viele Pflegefachkräfte ohne angemessene Schutzausrüstung gearbeitet und somit die eigene, aber auch die Gesundheit der Bewohner aufs Spiel setzen müssen. Viele Menschen fassen sich deshalb jetzt an den Kopf, wenn der bayerische Ministerpräsident nun Pflegefachkräften vorwirft, sie würden Gesundheit und Leben anderer Menschen gefährden, weil sie angeblich nicht impfwillig wären.

Alle Überlegungen zu einer Impfpflicht bauen also auf einem grundlegenden Irrtum auf. In einer Berufsgruppe mit etwa 1,8 Millionen Menschen gibt es sicherlich verschiedene Meinungen, aber eine grundsätzliche Impfskepsis beim Pflegepersonal ist in keiner Weise belegt.

Statt mit der Debatte um eine Impfpflicht vom Thema abzulenken, muss endlich eine umfassende Aufklärung über die Wirksamkeit der Impfstoffe im Vordergrund stehen. Damit steigt das Vertrauen in die Impfung und auch die Impfbereitschaft.

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Wir machen deshalb seit einigen Monaten Vorschläge für eine verbesserte Krisenkommunikation. Wir sollten keine Vorwürfe an Leistungsträger unserer Gesellschaft richten, sondern vielmehr um das Vertrauen der Menschen werben – gerade beim sensiblen Thema der Impfung. Unbelegte Behauptungen, dass Pflegefachkräfte sich nicht impfen lassen wollen würden, halten wir für ausgesprochen kontraproduktiv. Viele Pflegefachkräfte berichten, dass sie sich gerne und lieber heute als morgen impfen lassen würden. Arbeitgeber und Landesregierungen wie die in Bayern sind jetzt aufgefordert, diese Möglichkeit zu schaffen, zum Schutz des Personals und der Bewohner.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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