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Krankenhaus Agatharied ermöglicht ambulante Palliativbetreuung bei neurologischen Erkrankungen

Bildbeschreibung: Ein Bett im Krankenhaus.
Foto: © Martha Dominguez de Gouveia

Ein innovatives telemedizinisches Projekt des Krankenhauses Agatharied eröffnet ganz neue Möglichkeiten der ambulanten Palliativbetreuung. Gemeinsam mit fünf Konsortialpartnern hat das Krankenhaus im Landkreis Miesbach das Projekt „TANNE“ („Telemedizinische Antworten auf Neuropalliative Nachfragen in Echtzeit“) ins Leben gerufen. Ziel ist es, Hospize und SAPV-Teams (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) bei der Betreuung neurologischer Patienten zu unterstützen. Durch dieses einzigartige Projekt besteht rund um die Uhr (24/7) Zugriff auf einen Neurologen mit palliativer Erfahrung. Mit Hilfe eines Videosystems (Tablet und WLAN-Router) werden Konsile vom Patientenbett aus mit dem Expertenteam im Krankenhaus Agatharied durchgeführt. So kann telemedizinisch zur Verfügung gestellte fachneurologische Expertise helfen, die ambulante und hospizliche Versorgung neurologischer Patienten in einer palliativen Phase zu verbessern.

Palliativmedizin vor großen Veränderungen
Die Palliativmedizin befindet sich seit Jahren in einem stetigen Wandel. Neben onkologischen Krankheitsbildern werden auch vermehrt andere Erkrankungen in die Palliativversorgung eingeschlossen. Oberärztin und Mitinitiatorin des Projektes, Dr. med. univ. Christiane Weck, erklärt: „Derzeit werden viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu Hause oder im Pflegeheim versorgt, ohne dass fachspezifische Hilfe zur Verfügung steht.

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Das betrifft beispielsweise nicht nur Patienten mit amyotropher Lateralsklerose, sondern auch mit Parkinson, Demenz, Multipler Sklerose oder einer anderen neurodegenerativen Erkrankung.“ Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl, Chefarzt der Abteilung Neurologie und der Abteilung für Palliativmedizin des Krankenhauses und Facharzt für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, betont: „Durch den Einsatz moderner Kommunikationstechnik ist es dem Neurologenteam mit ‚TANNE‘ gelungen, in Echtzeit eine ambulante Betreuung neurologischer Symptome und die Möglichkeit eines Expertengesprächs für Patienten und Angehörige anbieten zu können.“

Evaluierung nach erfolgreicher Pilotphase
In einem vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderten Pilotproprojekt (12/2016 - 11/2018) wurden bereits sechs bayerische SAPV-Teams an das Fachzentrum – die Neurologie des Krankenhauses Agatharied – erfolgreich angeschlossen und mit speziell konzipierten mobilen Telesystemen ausgestattet.

Eine Anschlussförderung der Paula Kubitschek-Vogel Stiftung erlaubte es, dieses Projekt für weitere 12 Monate und mit insgesamt 15 SAPV-Teams fortzuführen (12/2018 - 11/2019). Aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre und durch Förderung des Innovationsfonds des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) kann diese neue Versorgungsform im Rahmen einer klinischen Studie über 24 Monate hinweg intensiv erforscht werden. Patienten mit einer neurologischen Erkrankung bzw. einer neurologischen Diagnose (auch Nebendiagnose) sollen in die Studie eingeschlossen werden, die im April dieses Jahres starten wird.

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Dem telemedizinischen Zentrum am Krankenhaus Agatharied stehen folgende Konsortialpartner des Projektes zur Seite:

Die AOK Bayern unterstützt als größte Krankenkasse Bayerns das Projekt.

Die Arbeitsgruppe Medizinökonomie unter Federführung von Prof. Dr. Jürgen Zerth (Wilhelm Löhe Hochschule/Universität Bayreuth) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christian Maier (Universität Bayreuth/BA Sachsen) und korrespondierender Begleitung durch Prof. Dr. Volker Ulrich (Universität Bayreuth) wird die gesundheitsökonomische Evaluation des Projektes durchführen.

Prof. Dr. Kirsten Brukamp (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) wird die sozialen, psychologischen, ethischen und rechtlichen Aspekte dieses Projektes beleuchten, da es sich um ein ethisch sensibles Thema handelt. Auch soll die Nutzungsorientierung im Sinne der Verbesserung der Nutzungsfreundlichkeit und Gebrauchstauglichkeit des Projektes untersucht werden.

Die technische Evaluation und Ausstattung erfolgt durch die Firma Meytec, mit der bereits die Pilotphase erfolgreich durchgeführt wurde.

Die statistische Evaluation, die Datenerfassung und die elektronische Fallakte dieses Projektes werden mit der Firma StatConsult erarbeitet. Es handelt sich um eine Firma, die als Auftragsinstitut im Umfeld klinischer Forschung und Entwicklung tätig und dabei auch auf biometrische Aspekte klinischer Studien spezialisiert ist. Andererseits ist die Firma Entwickler und Betreiber der Software PalliDoc® die zur Dokumentation u.a. im Bereich der ambulanten Palliativversorgung eingesetzt wird und als Grundlage der gemeinsamen elektronischen Fallakte dient.

Flächendeckende ambulante Versorgung
Mithilfe der telemedizinischen Palliativ Care können ambulante Palliativteams fortan auch bei jenen komplexen Fragestellungen, die bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen auftreten, kompetent und zeitnah unterstützt werden. Professor Lorenzl unterstreicht die Bedeutung des Verfahrens: „Wenn die häuslichen Umstände es erlauben, können wir die Patienten durch diese neuartige Möglichkeit zur Zusammenarbeit künftig bis zu ihrem Lebensende zuhause versorgen. Die beachtliche Mobilität unserer Lösung und die Verbindung des bestehenden palliativen und neurologischen Fachwissens durch IT-gestützte Instrumente können in Zukunft zu einer flächendeckenden ambulanten Versorgung von neurodegenerativ erkrankten Menschen führen.
Auch und gerade in dünn besiedelten Gebieten. Dazu werden in ganz Bayern ambulante Palliativteams und Hospize mit dem telemedizinischen Zentrum am Krankenhaus Agatharied vernetzt.“

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„TANNE“ als Regelversorgung
„Ziel ist es, Expertenwissen einem breiten Raum zugänglich zu machen und eine neurologische Fachexpertise in die ambulante Versorgung einzubringen, in der jeder Patient, unabhängig von seinem Wohnort, die gleiche spezialisierte medizinische Versorgung erhalten kann“, betont. Dr. med. univ. Christiane Weck. „Gleichzeitig wird das Projekt wissenschaftlich begleitet, damit die benötigten Daten gesammelt werden können, um ‚TANNE‘ in Zukunft in die Regelversorgung überführen und damit allen Patienten dauerhaft zugänglich machen zu können.“

Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel wagt die Prognose: „Diese intelligente Kombination aus ambulanter Versorgung und telemedizinisch abrufbarem Expertenwissen kann künftig zu einem Erfolgsmodell zeitgemäßer medizinischer Versorgung werden.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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