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Digitales Impfzertifikat - Einfach oder schwer zu bekommen? Technische Probleme erschweren das Ausstellen des Zertifikats

Bildbeschreibung: Eine Hand mit einem Smartphone, auf dem das digitale Impfzertifikat zu sehen ist
Foto: kk | © 2021 EU-Schwerbehinderung

"Der digitale Impfnachweis ist eine zusätzliche Möglichkeit, um Corona-Impfungen zu dokumentieren. Geimpfte können damit Informationen wie Impfzeitpunkt und Impfstoff bequem auf ihren Smartphones – entweder in der CovPass-App oder in der Corona-Warn-App – digital speichern. " - heißt es auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Es war dann die die große Ankündigung, als es hieß, auch in Deutschland steht das digitale Impfzertifikat zur Nutzung bereit. Dieses zu bekommen sollte eigentlich einfach sein, scheint sich aber in der Praxis nicht zu bestätigen. Aktuell meldet Saarland Probleme mit der Ausstellung. "Aufgrund technischer Probleme bei der Ausstellung der Impfzertifikate über die Bundesplattform können aktuell in keinem der vier Impfzentren die entsprechenden Impfzertifikate ausgestellt werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notieren die davon betroffenen Impflinge, sodass Ihnen nachträglich die Zertifikate zugeleitet werden. ", heißt es dazu in der entsprechenden Mitteilung.

Auch in der Bundeshauptstadt soll es gestern Morgen zu Problemen gekommen sein. Nicht nur das, man scheint in Berlin in dem Gesamtprozess Probleme zu haben. So hieß es in einer Apotheke in einem großen Einkaufszentrum: "Wir nehmen die Daten auf und in 2-3 Tagen können sie das Zertifikat abholen". In einer anderen Apotheke war das Zertifikat binnen weniger Minuten problemlos ausgestellt.

Hamburg hat für Personen, die in den Impfzentren geimpft wurden, eine Webseite eingerichtet, über die dort geimpfte, ihr Zertifikat selber abrufen und ausdrucken können. Ermöglicht wird das über die Webseite: www.panex-impfzertifikat.de. Dort kann durch Eingabe der Chargennummer und der Nummer der Impfbestätigung, nebst persönlicher Daten, das Zertifikat zum Ausdruck abgerufen werden.

„Von der Corona-Warn-App hätte die Bundesregierung lernen können, dass es nicht nur auf die Bereitstellung einer App ankommt, sondern dass vor allem die Prozesse bei allen Beteiligten funktionieren müssen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat offenbar nicht einmal die grundlegendsten Erfolgskriterien von IT-Projekten verstanden. Seine vollmundigen Ankündigungen, ab 14. Juni könne man das digitale Impfzertifikat in Deutschland erhalten, werden unweigerlich zu viel Frust und Enttäuschung führen: bei Ärzten, die mangels Software flächendeckend nicht in der Lage sind, das Zertifikat zu erstellen, und deren Telefone nicht mehr stillstehen, und bei Apotheken, die zu spät informiert wurden, keine Schulung für die Ausstellung erhielten und über ein Portal die Ausstellung der Zertifikate abwickeln sollen, das überlastet ist - vor allem aber bei Geimpften, die von Pontius zu Pilatus laufen, ohne eine Apotheke oder eine Arztpraxis zu finden, bei der sie das versprochene Zertifikat erhalten können. Nicht einmal das Portal funktioniert verlässlich, auf dem sie ausstellende Apotheken suchen können. Wie sollen so für 60 Millionen Impfungen Zertifikate nachträglich ausgestellt werden?“, erklärt Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Einführung des digitalen Impfzertifikats.

Domscheit-Berg weiter: „Auch den von Spahn propagierten Mehrwert gibt es kaum. So wird es nicht weniger Probleme mit Fälschungen geben, denn der Papierausweis gilt ja weiterhin. Außerdem werden dessen Fälschungen schlecht erkannt, und so können ohne besondere Hürden gefälschte Impfaufkleber in ein digitales Impfzertifikat umgewandelt werden. Die Komplexität des Vorhabens hat der Gesundheitsminister offenbar nicht verstanden. Er schürt immense Hoffnungen in der Bevölkerung, die weder von Apotheken noch von Arztpraxen erfüllt werden können. Die schlimmste Nebenwirkung sind dabei nicht die Millionen Euro, die die nachträgliche Ausstellung digitaler Impfzertifikate für zweifelhaften Nutzen kostet, sondern dass damit genau die Akteure im Gesundheitswesen mit Bürokratie belastet werden, die ihre Zeit zum Impfen benötigen, denn weder Papier- noch digitale Zertifikate können die Pandemie beenden. Das lässt sich nur mit Erreichung der Herdenimmunität, also durch Impfungen erreichen.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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