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Unabhängige Patientenberatung fordert mehr Aufklärung und einfacheren Zugang zu Impfungen statt Strafen und Zwangsmaßnahmen

Bildbeschreibung: Jemand der eine Spritze in der Hand hält.
Foto: © Wilfried Pohnke

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) sieht die aktuelle Impfkampagne an einem kritischen Punkt: Nach einem zuletzt erfreulich hohen Impftempo ist die Kampagne nun ins Stocken geraten. Das zeigen die aktuellen Zahlen. Zwar hat ein großer Teil der aufgeklärten Impfwilligen mindestens eine Erstimpfung erhalten – aber jetzt müssen schwerer erreichbare Menschen und Bevölkerungsgruppen zur Impfung mobilisiert werden. Zuletzt öffentlich diskutierte Zwangsmaßnahmen wie eine allgemeine Impfpflicht oder Strafen für Impfunwillige hält die UPD aber für falsch. Neben intensiver Information und Beratung braucht es mehr Impfangebote direkt in den Lebenswelten der Menschen.

„Die Impfung muss nun zum Impfling kommen. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante zählt jetzt jede verabreichte Dosis“, sagt UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede, und führt aus: „Die Impfzentren und auch die Impfungen in Arztpraxen waren für die ersten Phasen der Impfkampagne sehr wichtig.

Terminvereinbarung und Anreise können aber für einige Bevölkerungsgruppen hohe Hürden darstellen – sei es aus Impfskepsis, aus mangelnder Gesundheitskompetenz oder aus individueller Prioritätensetzung. Auf dem Weg zur Herdenimmunität darf es daher keine falsche Scheu vor kreativen und ungewöhnlichen Lösungen geben: Mit Impfungen etwa in Supermärkten, Einkaufszentren oder auf Partymeilen und in Fußballstadien können viele Menschen erreicht werden, die von selbst oft keine Impfstelle aufsuchen würden.“

Intensive Aufklärungskampagnen sind nötig

„Dieser erleichterte Zugang zum Impfen muss durch eine groß angelegte Informations- und Aufklärungskampagne begleitet werden. Denn wir merken auch in unserer Beratung: Die Gespräche zum Thema Impfen werden länger und komplexer“, ergänzt Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter bei der UPD. „Bisher müssen Menschen oft von sich aus nach guten Informationsangeboten etwa im Internet suchen. Mit Aufklärungskampagnen in Fernsehen, Radio und den Sozialen Medien können wir viele zusätzliche Menschen für die Impfung sensibilisieren. Mit ihrem niedrigschwellig erreichbaren Beratungsangebot leistet die Unabhängige Patientenberatung dafür gern einen Beitrag“, so Schenkel.

Straf- und Zwangsmaßnahmen keine guten Lösungen

Aus Sicht der Unabhängigen Patientenberatung eignen sich eine allgemeine Impfpflicht oder aktuell diskutierte Strafgelder nicht dafür, das Tempo der Impfkampagne wieder zu erhöhen. „Ein indirekter Druck zur Impfung etwa durch Restaurants, Kinos und Veranstaltungsorte, die nur geimpfte Menschen als Gäste akzeptieren, kann eine positive Wirkung haben. Direkte Zwangsmaßnahmen können aber leicht den gegenteiligen Effekt haben, wie ein Blick in andere Länder zeigt“, sagt Thorben Krumwiede. Nach seinen Worten lenken Diskussionen wie die um Strafgelder für „Impfschwänzer“ vom Kern der Sache ab: „Die Menschen müssen langfristig von Sinn und Nutzen der Impfungen überzeugt werden, auch im Hinblick auf eventuelle Dritt- und Auffrischungsimpfungen. Dies kann aber nur gelingen, wenn die Gesundheitskompetenz der Patienten gestärkt wird, ohne ihre Souveränität anzugreifen.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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