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Deutsche Bahn und Menschen mit Behinderung

Bildbeschreibung: Foto aus dem Berliner Hauptbahnhof.
© cc0 / EU-Schwerbehinderung

Menschen mit Behinderung haben es sicherlich nicht schwer, wenn es darum geht, über ihre Erfahrungen mit der Deutschen Bahn zu berichten. Der hier geschilderte Fall soll verdeutlichen, wie es Menschen ergehen kann, deren Behinderung nicht gerade ersichtlich ist. Die betroffene Person, wir nennen ihn Herr M, hatte die Absicht von Berlin nach Hamburg zu reisen. Eine Reise, die die Person schon häufig getätigt hat. Doch diesmal sollte es etwas anders kommen. 

Herr M. hat sich wie immer, sein Ticket direkt am Schalter erworben. Diesmal hatte Herr M. einen schweren Koffer dabei, der sich aber auf Rollen problemlos bewegen ließ. Mit dem Koffer am Schalter angekommen, wurde unter Vorlage des Schwerbehindertenausweises ein Ticket erworben. Nicht im ICE, wie gewohnt, denn auf den ICE- Zügen war keine Platzreservierung mehr möglich. Somit musste Herr M auf den EC 378 ausweichen. Bei der zugehörigen Reservierung, konnte aber kein Großraumwagen mehr gebucht werden und so wurde Herr M in ein Abteil gebucht. 

Im Zug angekommen, war festzustellen, dass der Zug ausgebucht war. Herr M hat sein Abteil ausgesucht. Allerdings konnte Herr M den Koffer, aufgrund des Gewichtes und der bestehenden Behinderung, nicht in das Gepäckfach über seinen Sitz heben. Was Herrn M also übrig blieb, war die Platzierung des Koffers im Gang. Dem Angestellten der Bahn hat es offensichtlich nicht gefallen, dass der Koffer so "herrenlos" im Gang stand und so musste Herr M die ganze Fahrt stehend beim Koffer verbringen. Trotz des Hinweises durch Herrn M, auf die bestehende Schwerbehinderung, zeigte der Schaffner sich nicht bereit, den Koffer in die dafür vorgesehene Gepäckablage zu heben. Auch andere Passenten, u.A. ein anderer bediensteter der Deutschen Bahn, der mit im Abteil gesessen hatte, zeigten kein Mitgefühl. Herr M stand also die ganze Fahrt bei seinem Koffer, so wie von dem Bahnbeamten gewünscht.

Der Zug war voll. Was Herr M dann sah, war schon fast unglaublich. Das einzige Abteil, welches für schwangere Frauen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen vorgesehen war, wurde von den Bahnbeamten als "Dienstabteil" belegt, in deren unmittelbare Nähe Herr M stehen musste:

Auf dem Foto ist das Abteil zu sehen, welches für Menschen mit mobilitätseinschränkungen vorgesehen war, aber von der Deutschen Bahn als Dienstabteil blockiert wurde.Foto: kr | © 2019 EU-Schwerbehinderung

Als uns diese Geschichte übermittelt wurde, haben wir die Deutsche Bahn um eine Stellungnahme gebeten, auf die wir nach erneuter Nachfrage, von einer Sprecherin der Deutschen Bahn erhalten haben:

Zunächst möchten wir uns dafür entschuldigen, dass die Reise „Ihres“ Fahrgastes mit Widrigkeiten verbunden gewesen ist.
Es ist immer schwierig, im Nachgang einen Verkaufsvorgang zu analysieren und eine mögliche Fehlerzuweisung vorzunehmen.
Nichtsdestotrotz möchten wir nachfolgend auf Ihre Schilderungen eingehen.

Sie schreiben, der Reisende hat mit DB Reisezentrum sein Ticket inkl. Sitzplatzreservierung erworben.
Die Kollegen hätten ihm dabei einen Sitzplatz im Abteil zugewiesen, obwohl der Fahrgast einen schweren Koffer mit sich führte.
Im Verkaufsprozess fragen unsere Kollegen in der Regel, ob der Fahrgast lieber im Abteil oder im Großraumwagen sitzen möchte.
Wir gehen davon aus, dass der Fahrgast den Abteilplatz bevorzugte.

Für den Mitarbeiter im Reisezentrum ist es hierbei nicht ersichtlich, ob Gepäck – groß oder klein – mitgeführt wird.
Auch ist die Unterbringung des Koffers in den Ablagen über den Sitzen im Abteil möglich.
Unsere Zugbegleiter sind stets bemüht, Fahrgästen bei Fragen und Problemen behilflich zu sein.

Wir sind sicher, dass der Kollege an Bord dem Reisenden gerne beim Verstauen des Gepäcks behilflich gewesen wäre oder versucht hätte, einen anderen Sitzplatz zu finden. 

In unseren EC-Zügen werden mehrere Abteile mit den gezeigten Piktogrammen für Menschen mit Behinderungen und schwangere Frauen ausgewiesen.
Warum die Kollegen, ein solches für sich reserviert haben, können wir aktuell nicht nachvollziehen.
Selbstverständlich nehmen wir Ihr Schreiben zum Anlass und werden diesbezüglich auf die Kollegen im Fachbereich zugehen.

So ganz erschließt sich für uns nicht, warum die Deutsche Bahn hier nicht konkret zugibt, dass hier offensichtlich "Schulungsbedarf" besteht. Denn bereits in unserem Anschreiben an die Deutsche Bahn haben wir klagestellt: "Der Passagier hatte einen großen und schweren Koffer dabei. Somit war schon beim Ticketerwerb für den Mitarbeiter am Schalter offensichtlich, dass hier ein Mensch mit Behinderung einen Platz benötigt, der die Kofferunterbringung ermöglicht."

Auch die Aussage der Deutschen Bahn: "Unsere Zugbegleiter sind stets bemüht, Fahrgästen bei Fragen und Problemen behilflich zu sein." erschließt sich nicht ganz, wenn man das Verhalten des Zugbegleiters berücksichtigt.

Eigentlich sind hier der Deutschen Bahn mehrere Fehler unterlaufen. Nicht nur, dass der Schalterbeamte beim Ticketverkauf gleich hätte darauf hinweisen können, dass größere Koffer in einem Abteil gar nicht transportiert werden dürfen, sondern hierzu ein Sitzplatz in einem Großraumwagen erforderlich gewesen wäre und das die Mitarbeiter der Deutschen Bahn hier in keiner Weise behilflich sind um bspw. das Gepäckstück entsprechend in die Gepäckablage zu legen. In diesem besonderen Fall wäre sogar die Aufbewahrung im Dienstabteil, was nur zwei Abteile weiter lag, möglich gewesen. Das dann noch das Dienstabteil, welches eigentlich für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und schwangere Frauen vorgesehen ist, nur von zwei Zugbegleitern belegt wurde und sonst eigentlich frei war, erweckt noch mehr Unverständnis.

Haben sie auch schon ähnliche Situationen erleben müssen? Schreiben sie uns einfach per E-Mail an unser Redaktionspostfach: Redaktionsteam(at)eu-schwerbehinderung.eu (Anm.: (at) durch @ ersetzen) . Gerne auch mit Fotos. Wir werden dann für sie weiter recherchieren. Alle E-Mail Eingänge werden strengstens vertraulich behandelt und nur anonymisiert weiter bearbeitet.

Autor: kh / © EU-Schwerbehinderung



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Kommentare (1)

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Typisch Deutsche Bahn. Mich wundert nichts mehr. Selbst im ICE. Da werden Sitzplätze für Behinderte von anderen Fahrgästen benutzt und den Kontrolleur interessiert das nicht.

  Thomas W
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