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Corona-Pandemie: Mit und ohne Wissenschaft - Wissenschaftsrat übt Kritik

Bildbeschreibung: Symbolbild zu Wissenschaft. Mehrere Personen vor einer Tafel als Symbul zur Wissenschaft
Foto: © Mauricio Donascimento

Mit der Corona-Pandemie zeigt das Brennglas die Probleme, welche sich durch die neuen Herausforderungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie ergeben, immer deutlicher. Eigentlich ist es dabei nur eine Lupe die jetzt aufzeigt, wo Politik in den letzten Jahrzehnten massive Fehler begangen hat und die Stimmen ihrer Oppositionen und Kritiker zum Wirtschaftswachstum und sozialen Themen lieber übersehen hat.

Erfolgreich kann ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland dauerhaft nur sein, wenn man dabei die Wissenschaften nicht vergisst. Gerade mit dem Coronavirus wird die Wichtigkeit von Wissenschaften immer präsenter. Um so erstaunlicher ist der Brandbrief Impulse aus der COVID-19-Krise (794 kb) - Ein Papier was auf Misstände hinweisen soll.

"Die COVID-19-Krise markiert eine historische Zäsur, deren Tiefe sich derzeit noch nicht abschätzen lässt. Sie hat Transformationsprozesse wie den digitalen Wandel beschleunigt, andere wie etwa Anstrengungen zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung verlangsamt oder zurückgeworfen. „In einer Situation, in der die akute Krisenbewältigung Gesellschaft und Wissenschaft noch fest im Griff hat, richtet der Wissenschaftsrat den Blick in die Zukunft“, so Dorothea Wagner, Vorsitzende des wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums von Bund und Ländern.

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In der Mitteilung des Wissenschaftsrats heißt es: Die akute Belastungssituation hat ein Schlaglicht auf zehn Herausforderungen für das Wissenschaftssystem geworfen, die von der Krisenreaktionsfähigkeit in der Politikberatung über fehlende Souveränität und Sicherheit im digitalen Raum bis hin zu strategischen Herausforderungen in der Internationalisierung reichen. Ein Großteil der Herausforderungen und des daraus resultierenden Handlungsbedarfs zeigt sich nicht zuletzt in der Gesundheitsforschung. Der große Erfolg in der Impfstoffentwicklung darf nicht über deutliche Schwächen im deutschen Wissenschaftssystem hinwegtäuschen. Deutschland hat beispielsweise einen großen Nachholbedarf bei der Vernetzung und dem Management von Daten – vor allem, aber nicht nur in der Gesundheitsforschung. Viele dieser Herausforderungen haben eine internationale Dimension. Mobilität, Kooperation und Datenaustausch über Grenzen hinweg sind in der Krise einem Belastungstest ausgesetzt. Die positiven und negativen Erfahrungen müssen ausgewertet und darauf aufbauend neue strategische Prioritäten entwickelt werden.

Noch weitgehender gibt die Pandemie Anlass, die Werte, an denen sich wissenschaftspolitisches Handeln auf lange Sicht orientieren soll, zu hinterfragen. Während im Anschluss an zurückliegende oder noch andauernde Krisen der Begriff Resilienz in den wirtschafts-, sicherheits- oder auch entwicklungspolitischen Diskurs Einzug gehalten hat, ist bisher kein spezifischer Begriff von Resilienz für das Wissenschaftssystem entwickelt worden. Der Wissenschaftsrat regt eine Debatte über das Verständnis und die Bedeutung von Resilienz im Wissenschaftssystem an. Seine zukünftige Entwicklung sollte sich nicht allein an der Förderung von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit orientieren. Vielmehr sollte es ebenso auf Resilienz als Fähigkeit, Krisen zu antizipieren und zu bewältigen sowie verändert und gestärkt aus ihnen hervorzugehen, ausgerichtet werden.

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„Nach der Krise sollten wir nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren. Die nächste Krise kann ganz anderer Natur sein und darauf müssen wir uns als Gesellschaft vorbereiten“, so Wagner. „Wissenschaft hilft, Zukunft zu gestalten und Krisen zu bewältigen. Um diese Aufgaben gut erfüllen zu können, muss das Wissenschaftssystem responsiv und resilient sein. Bei aller Leiderfahrung lassen Sie uns die Krise auch als Chance begreifen“.

Zum Positionspapier des Wissenschaftsrats „Impulse aus der COVID-19-Krise für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland“ erklärt Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

Es ist ein echter Brandbrief, den der Wissenschaftsrat heute an Forschungsministerin Karliczek geschickt hat: im Ton gewohnt diplomatisch, bei der Benennung der Defizite aber unmissverständlich deutlich. Ministerin Karliczek darf nicht länger Forschungslücken verwalten, sondern muss Forschungsförderung gegen Corona systematisch und weitsichtig gestalten, um Erkenntnisse zu vervollständigen und den dringenden Transfer zu beschleunigen. Ganz besonders hapert es beim Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis, was akut die Medikamentenforschung zeigt, die wir seit Monaten anmahnen. Erst vor wenigen Tagen, ein Jahr nach Beginn der Pandemie, hat das Bundesforschungsministerium ein eigenständiges Programm zur Entwicklung lebenswichtiger Covid 19-Medikamente aufgelegt. Aktuell läuft die Antragsphase und es steht in den Sternen, wann Ergebnisse für die praktische Versorgung vorliegen. Gleichzeitig klagen immer mehr Forscherinnen und Forscher, dass ihnen die nötigen Mittel für Medikamentenstudien fehlen. Auch der eilige Einkauf von Antikörper-Medikamenten kann diesen Fehler in der Pandemiebekämpfungspolitik nicht wettmachen. Wissenschaftspolitischer Weitblick und beherzte Vorsorge gehen anders, Frau Karliczek.
Mit den Empfehlungen für eine vorausschauende, wissenschaftliche Politikberatung schlägt der Wissenschaftsrat in die gleiche Kerbe wie unsere Forderung nach einem Pandemierat. Es ist überfällig, die fatalen Forschungslücken – unter anderem zu Übertragungswegen im ÖPNV, Mutationen oder Langzeitfolgen von Erkrankungen – zu schließen. Eindämmungsmaßnahmen benötigen ein kontinuierliches Monitoring, müssen wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Wissenschaft und Forschung können unsere Gesellschaft widerstandsfähiger machen und für Krisen besser rüsten, wenn politisch der richtige Rahmen gesetzt ist. Das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung aus dem Hause Karliczek ist gerade einmal zwei Jahre alt und muss doch dringend überarbeitet werden.

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Starke Wissenschaft braucht ein solides Fundament. Es ist darum so richtig, dass der Wissenschaftsrat den Fokus auch auf unsere Hochschulen hierzulande richtet. Forschungsministerin Karliczek hat diese in der Krise sträflich vernachlässigt. Die Digitalisierung der Hochschulen steckt in den Kinderschuhen; wie es den Studierenden geht, ist der Bundesregierung gleichgültig. Für die Aufrechterhaltung von Forschungskooperationen mit der Wirtschaft gibt es Geld nur für die großen Forschungsorganisationen, aber die Universitäten schauen in die Röhre.

Autor: kro / © EU-Schwerbehinderung



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