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Heute am 1.Dezember ist Welt-Aids-Tag

Bildbeschreibung: Eine Rote Schleife.
Foto: © Anna Shvets

Seit 1988 finde jedes Jahr am 1 Dezember der Welt-AIDS-Tag statt. Er bekräftigt die Rechte der HIV-positiven Menschen weltweit und ruft zu einem Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung auf. Zudem erinnert der Welt-AIDS-Tag an die Menschen, die an den Folgen von HIV und AIDS verstorben sind.

Das Robert Koch-Institut hat anlässlich des bevorstehenden Welt-AIDS-Tages im Epidemiologischen Bulletin eine umfassende Darstellung der HIV/AIDS-Situation in Deutschland veröffentlicht. Im Jahr 2019 haben sich geschätzt 2.600 Personen in Deutschland mit HIV infiziert, 2018 waren es 2.500 Neuinfektionen. „Dieser leichte Anstieg der Infektionszahlen zeigt, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, insbesondere um die Testangebote zu verbessern und den Zugang zur Therapie für alle in Deutschland mit HIV lebenden Menschen zu gewährleisten“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „In der Gesamtschau der vergangenen Jahre zeigt sich aber, dass der Ausbau von zielgruppenspezifischen Testangeboten und ein früherer Behandlungsbeginn Erfolge gebracht haben“, unterstreicht Wieler. Insbesondere ist in den vergangenen Jahren bei der wichtigsten Betroffenengruppe – Männer, die Sex mit Männern haben – die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesunken.

Die Zahl der Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland ist bis Ende 2019 auf 90.700 gestiegen. Von diesen ist bei etwa 10.800 die HIV-Infektion noch nicht diagnostiziert. Wer von seiner Infektion nichts weiß, kann das Virus unbeabsichtigt weitergeben, außerdem ist die Sterblichkeit bei Spätdiagnosen höher. Im Jahr 2019 sind geschätzt 380 Menschen an HIV gestorben.

Bei Männern, die Sex mit Männern haben, blieb die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen konstant im Vergleich zum Vorjahr und liegt bei etwa 1.600 Neuinfektionen, im Jahr 2013 waren es noch etwa 2.200. Beim Gebrauch intravenöser Drogen haben sich 2019 etwa 360 Menschen mit HIV infiziert, diese Zahl ist erneut leicht gestiegen. Etwa 650 Menschen haben sich in Deutschland auf heterosexuellem Weg mit HIV infiziert, auch in dieser Gruppe gibt es seit 2012 auf niedrigem Niveau einen Anstieg.

Der Anteil von Menschen mit einer HIV-Diagnose, die eine antiretrovirale Behandlung erhalten, hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und liegt inzwischen bei 96 Prozent. Bei fast allen Behandelten (96 %) ist die Behandlung erfolgreich, so dass sie nicht mehr infektiös sind. Infektionen werden in erster Linie durch Menschen übertragen, deren HIV-Infektion noch nicht diagnostiziert ist. Die Empfehlung, Kondome zu benutzen, bleibt daher weiterhin ein Grundpfeiler der Prävention von HIV und weiteren sexuell übertragbaren Infektionen.

Mit der oralen Chemoprophylaxe einer HIV-Infektion (sogenannte Präexpositions-Prophylaxe – PrEP) steht ein zusätzliches Instrument zur Verhinderung von HIV-Neuinfektionen zur Verfügung. Seit September 2019 werden in Deutschland die Kosten für Medikamente zur PrEP für Menschen mit substanziellem HIV-Risiko durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Inwiefern sich die Kostenübernahme über den individuellen Nutzen hinaus auch auf die epidemiologische Entwicklung in der Bevölkerung auswirkt, wird derzeit in einem vom RKI geleiteten Forschungsverbund eingehender evaluiert.

Das RKI schätzt die Zahl der HIV-Neuinfektionen jedes Jahr neu. Durch zusätzliche Daten und Informationen sowie Anpassung der Methodik können sich die Ergebnisse der Berechnungen von Jahr zu Jahr verändern und liefern jedes Jahr eine aktualisierte Einschätzung des gesamten bisherigen Verlaufs der Epidemie. Die neuen Zahlen können daher nicht direkt mit früher publizierten Schätzungen verglichen werden. Die geschätzten Neuinfektionen sind nicht zu verwechseln mit den beim RKI gemeldeten Neudiagnosen. Da HIV über viele Jahre keine auffälligen Beschwerden verursacht, kann der Infektionszeitpunkt länger zurückliegen.

Das Epidemiologische Bulletin 48/2020 und weitere Informationen, darunter Eckdaten für die einzelnen Bundesländer, sind online abrufbar: www.rki.de/hiv.

„In Deutschland ist die Ausbreitung von HIV im Zuge jahrzehntelanger intensiver Präventionsarbeit sowie medizinischer und politischer Fortschritte auf einem niedrigen Stand, wenngleich die Neuinfektionen wieder leicht zugenommen haben. Unter Therapie kann die Lebensqualität erhalten, bei rechtzeitiger Behandlung der Ausbruch von AIDS unterbunden werden. Damit die Erfolgsbilanz nicht abbricht, bleibt es unerlässlich, die Unterstützungsstrukturen entschieden fortzuführen“, erklärt Doris Achelwilm, Sprecherin für Queerpolitik der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf den Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember. Jährlich informieren AIDS-Hilfen, Stiftungen und viele Engagierte über den Stand der HIV-Pandemie, ihrer Bekämpfung und über die Lebensrealität von Menschen mit HIV und AIDS. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Kampagne, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in Kooperation mit der Deutschen Aidshilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung durchgeführt wird, auf dem Thema Alltagsdiskriminierung und Vorurteile. Achelwilm weiter:

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„Wichtiger denn je ist es, den Blick auf gesundheitliche Versorgungsqualität weltweit zu richten. In der internationalen Zusammenarbeit müssen verstärkte Anstrengungen für ausreichende Maßnahmen und Mittel zur Bekämpfung von HIV und AIDS unternommen werden, gerade während der COVID-19-Pandemie, die gesundheitliche Ressourcen u.a. in Ländern des globalen Südens maßlos überlastet. 2019 wurden weltweit 1,7 Millionen HIV-Neuinfektionen statistisch erfasst, fast 700.000 Menschen sind an den Folgen von HIV und AIDS gestorben. Solidarität, Forschung, mediale Aufmerksamkeit und finanzielle Hilfen dürfen nicht nachlassen. Auch gegen Vorurteile und Diskriminierungen, die den Alltag HIV-positiver Menschen nach wie vor prägen, gilt es, weiter aktiv zu sein. Wir stehen an der Seite Betroffener, ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer und setzen uns für die Stärkung systematischer Wissensvermittlung und Medizinversorgung ein.“

Zum internationalen Welt-AIDS-Tag erklären Ottmar von Holtz (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecher für Zivile Krisenprävention, und Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für Pflegepolitik und für Altenpolitik:

HIV und AIDS sind weiterhin eine große Bedrohung für viele Menschen auf der Welt. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 1,7 Millionen HIV-Neuinfektionen erfasst. 690.000 Menschen sind an AIDS gestorben. Zwar hat es in den zurückliegenden Jahrzehnten beträchtliche Fortschritte in der Behandlung und Forschung gegeben, aber die nun grassierende Corona-Pandemie wirft die Bemühungen zurück. Der gleichzeitige Kampf gegen Covid-19 und HIV überfordert besonders Gesundheitssysteme in den Ländern des Globalen Südens. Die Abgabe von Medikamenten und Verhütungsmitteln wurde ausgesetzt, medizinische Sprechstunden und Testlabore sind überlastet. Hinzu kommt, dass es während der Lockdowns weltweit mehr Vergewaltigungen geben wird. Das UN-AIDS-Programm warnt aus diesem Grund davor, dass die Zahl der HIV-Infektionen drastisch ansteigen könnte.

In vielen Ländern hat die Covid-19-Pandemie tief verwurzelte soziale Ungleichheiten offenbart. Auch diese Krise trifft die Ärmsten und Schwächsten am härtesten. Es zeigt sich wieder einmal, wie stark Gesundheit mit sozialen Aspekten verbunden ist: Armut macht krank und senkt die Lebenserwartung. Diese strukturellen Ungleichheiten müssen wir abbauen. Damit das Recht auf Gesundheit für alle Menschen gilt, brauchen wir weltweit starke Gesundheitssysteme, die auch in Zeiten der Krise zuverlässig die Versorgung der Bevölkerung garantieren - und zwar im Kampf an beiden Fronten: gegen die akute Corona-Pandemie und gegen bekannte Krankheiten wie HIV/AIDS.

Als Lehre aus dem Umgang mit der aktuellen Pandemie müssen wir dabei mitnehmen, dass durch international koordiniertes Vorgehen und Bündelung von Ressourcen sehr schnell Forschungsergebnisse und Fortschritte bei Impfungen und medikamentöser Behandlung erzielt werden konnten. Diese Potenziale der internationalen Gemeinschaft müssen wir unter Federführung der WHO auch für eine gemeinsame Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten einsetzen. Wenn uns das gelingt, werden das HI-Virus und AIDS schon bald Geschichte sein. Bis es soweit ist, bleibt auf der Tagesordnung, dass wir uns gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-positiven Menschen hier und weltweit einsetzen.

Deutschland steht laut aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts bei der Bekämpfung von HIV und AIDS immer noch recht gut da, obwohl die Zahl der Neuinfektionen sich auf 2600 wieder leicht erhöht hat. Der Anteil der Menschen, die mit HIV leben und eine Therapie erhalten, ist aber mit inzwischen 96 Prozent hierzulande sehr hoch. Lebensqualität und Lebenserwartung nehmen weiter zu. Kritisch zu beobachten bleibt die Lage in Zentralasien und Osteuropa, wo die Zahl der Neuinfektionen drastisch steigt.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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