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Auswandern der Gesundheit zu liebe – Risiken und Nebenwirkungen eingeschlossen

Bildbeschreibung: Blick auf eine Insel in Thailand
Foto: © Tudsaput Eusawas

Der Traum vieler ist die Auswanderung in ein wärmeres Land und in einigen Fällen kann diese Überlegung sogar gesundheitliche Gründe haben. Doch es lauern viele Risiken, wer „mal Eben“ die Koffer packt, um sich zum Beispiel im einen Wärmeren Land von seinen Leiden befreien zu wollen.

Innerhalb der europäischen Union ist die Auswanderung recht unproblematisch. Zwar müssen Rentnerinnen und Rentner im EU-Ausland mit einer Prüfung der Rentenhöhe rechnen, die dann maßgeblich ist, ob der Aufenthalt auch über 180 Tage hinweg möglich ist, doch ist diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen, so darf man sich dann meist als „resident“ bezeichnen. Allerdings, auch wen die deutsche Krankenversicherung meist bestehen bleibt, ist gerade im Bereich der Gesundheitsversorgung viel Achtsamkeit gefordert, denn häufig ist die Gesundheitsversorgung im EU-Ausland teurer und wird nicht von der deutschen Krankenversicherung übernommen, so dass eine zusätzliche private Krankenversicherung erforderlich ist.

Berücksichtigen muss man auch, dass im Falle einer Pflegebedürftigkeit zwar das Pflegegeld gezahlt wird, aber keine Pflegesachleistungen (bspw. Pflegedienst, häusliche Pflege, Pflegeeinrichtung) übernommen werden (wir berichteten). Sozialleistungen, wie die Grundsicherung, werden im Ausland grundsätzlich nicht gezahlt (§ 41a SGB XII – „Leistungsberechtigte, die sich länger als vier Wochen ununterbrochen im Ausland aufhalten, erhalten nach Ablauf der vierten Woche bis zu ihrer nachgewiesenen Rückkehr ins Inland keine Leistungen“).

Eine andere Situation ergibt sich für Auswanderer, die sich ihr Ziel außerhalb der EU ausgesucht haben. Grundsätzlich heißt es nämlich, dass Pflegeleistungen bei einem Auslandsaufenthalt ruhen (bei Langzeiturlaubern länger 6 Wochen) oder eben nicht mehr gezahlt werden. Da kann der längere Aufenthalt oder gar die Auswanderung zum Risiko werden, wenn man sich nicht im Vorwege bewusst ist, dass hier keine finanziellen Ansprüche aus den Sozialleistungen Deutschlands, bestehen. In einigen Ländern droht sogar der Verlust des Visums, wenn das Einkommen nicht mehr ausreichend ist.

Gerade bei Pflegesachleistungen ist die Argumentation der aktuellen Rechtsprechung immer noch, dass es im Aufenthaltsland keine Möglichkeiten der Qualitätskontrolle zur Pflege gibt und daher die Pflegesachleistungen als „nicht exportierbar“ gelten. Beim Pflegegeld verhält sich das in der Argumentation ähnlich.

Für Menschen mit Behinderungen gilt noch eine ganz besondere Situation. EU weit gibt es noch keinen einheitlichen Behindertenausweis. Dieser ist zwar für 2023 geplant, aber bisher ist noch nicht bekannt, welche Kriterien für diesen gelten. Menschen mit Behinderungen müssen nämlich wissen, dass die Kriterien, nach denen eine Behinderung definiert wird, in den einzelnen Staaten unterschiedlich sind.

Ein weiterer Aspekt ist die „Linderungsmöglichkeit“ einzelner Symptome, die durch Klimaveränderungen entstehen können, Daher wird die Bewertung der Behinderung in dem jeweiligen Zielland auch neu durchgeführt. In einigen Ländern kann so ein Antrag mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre, in der Bearbeitung in Anspruch nehmen. Ob in der Zwischenzeit der deutsche Behindertenstatus anerkannt wird, muss bei den jeweiligen zuständigen Behörden nachgefragt werden. Meist ist allerdings davon auszugehen, dass dieser nicht anerkannt wird.

Wer ausgewandert und dann plötzlich in eine Notlage gerät, da bspw. die Einkünfte nicht mehr erzielt werden um im Ausland dauerhaft zu leben, dem bleibt oft keine Wahl und der Rückweg nach Deutschland wird erforderlich. Allerdings ist dieser Schritt nicht für jeden möglich, denn wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichend sind, stehen viele vor dem Problem, dass sie keinen Weg zurück nach Deutschland finden.

In einem solchen Fall helfen die jeweiligen deutsche Botschaften, Konsulate oder Vertretungen.

„Das Auswärtige Amt und seine Auslandsvertretungen leisten Hilfe für Deutsche im Ausland auf der Grundlage des Gesetzes über die Konsularbeamten, ihre Aufgaben und Befugnisse (Konsulargesetz) vom 11. September 1974 (v.a. §§ 5, 6, 9), des § 24 Sozialgesetzbuch XII und der Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates vom 20.04.2015.“, heißt es dazu beim Auswärtigen Amt.

Doch wie hilft das Auswärtige Amt bzw. die zuständige Vertretung im jeweiligem Aufenthaltsland? Dazu das Auswärtige Amt: „Wenn Deutsche im Ausland in eine Notlage geraten, die es notwendig macht, nach Deutschland auszureisen, können die deutschen Auslandsvertretungen deren Ausreise ermöglichen, auch indem sie die notwendigen Kosten vorstrecken. Voraussetzung ist, dass den Hilfesuchenden keine anderen Möglichkeiten offenstehen, etwa indem Verwandte in Deutschland sie unterstützen. Die Empfänger dieser Hilfe sind verpflichtet, die finanziellen Auslagen zurückzuzahlen, sobald sie dazu in der Lage sind.“

Wer also wirklich beabsichtigt, ins Ausland auszuwandern, sollte sich vor dem großen Schritt in allen Richtungen informieren, damit im neuen Heimatland sowohl die finanzielle Absicherung als auch die Gesundheitsversorgung, abgesichert sind.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung

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