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Nicht verurteilen, sondern fragen – Anfeindungen wegen Nichteinhaltung der Maskenpflicht vorbeugen

Bildbeschreibung: Ein Junge mit Mundschutz und einem Schulbuch in der Hand.
Foto: © Alexandra_Koch

Ob im Bus, der U-Bahn oder beim Supermarkt, der Blick auf jene die sich dort ohne Mund-Maske aufhalten, ist sicher. Sind das Maskenverweigerer? Muss man diese melden oder einfach verschämt die Blicke wo anders hinrichten? Oder sollte sollte man fragen, warum sich die Person nicht an die Maskenpflicht hält? Vielleicht ja, vielleicht riskiert man damit aber auch eine unnötige Diskussion. Es gibt aber auch viele Menschen, die keine Mundmaske tragen und sich dann mit Anfeindungen ihrer Mitmenschen konfrontiert sehen.

Anfeindungen von "Maskenverweigerern" ohne zu hinterfragen, ist aus Sicht betroffener mit Sicherheit der falsche Weg, denn das jemand keine Mund- und Nasenbedeckung trägt, könnte noch ganz andere Gründe haben. So im Fall von Tobias, denn er hat spinale Muskelatrophie. Das heißt, seinem Körper fehlt ein Protein, das für den Nervenaufbau wichtig ist. Er kann seine Muskeln nicht gut ansteuern. Auch die Atmung ist davon betroffen. Nachts ist er an eine Beatmungsmaschine angeschlossen, tagsüber schafft er es je nach Tagesform etwa zehn Stunden ohne Beatmung. Die Schutzmaske zu tragen ist für ihn sehr unangenehm, weil es die Luftnot, die er sowieso immer hat, noch vergrößert. In der Schule hat er jetzt mit allen vereinbart, dass er die Maske dort nicht trägt. Dafür haben alle Verständnis. Sie halten dafür strikt die Abstands-Regel ein. Was das Leben „draußen“ betrifft, so findet das für ihn im Moment so gut wie gar nicht statt. Zum einen, weil er ja eh fürs Fachabi lernt. Zum anderen, weil er sich aus Angst vor einer Ansteckung nicht traut. Wenn das mit Corona noch lange weitergeht, wird es für ihn schwierig, sagt er, weil man absolut nichts unternehmen kann.

„Bei den Vorbereitungen zur Fachabi-Prüfung geht mir echt die Puste aus. Und wenn ich eine Maske trage, ist es noch schlimmer. Reden ist für mich sowieso immer anstrengend. Ich habe eine spinale Muskelatrophie, das heißt: ich kann meine Muskeln nicht gut ansteuern. Das betrifft auch die Atmung. Nachts bin ich an ein Beatmungsgerät angeschlossen. In der Schule muss ich deswegen keine Maske tragen. Wir achten dafür umso mehr darauf, dass wir genügend Abstand halten.“, stellt Tobias dar. Er hat auch einen Apell: „An alle Leute da draußen: Masken sind nicht für jeden sinnvoll. Wenn einer zum Beispiel eine Lungenkrankheit hat, bekommt er mit Schutzmaske noch weniger Luft. Habt bitte Verständnis dafür! Ich achte noch mehr auf Abstand, um mich und andere vor einer Ansteckung zu schützen.“

Yannick hat die Glasknochenkrankheit und sitzt im E-Rolli. Sein Brustkorb ist relativ stark deformiert, so dass er in manchen Positionen sowieso schlecht Luft bekommt. Daher macht ihm die Maskenpflicht ziemlich zu schaffen. Anfang der Woche hat er es in der Schule damit probiert – und schnell gemerkt, dass er die Schutzmaske immer nur ganz kurz tragen kann. „Ich hab’s mit der Maske versucht, ehrlich, auch aus Respekt vor den anderen. Aber es geht nicht. Ich bekomme sowieso immer schlecht Luft, weil mein Brustkorb relativ stark deformiert ist. Sobald ich in der Schule sitze, ziehe ich die Maske unter die Nase, um besser atmen zu können. Die anderen haben Verständnis. Viele machen das genauso.“ erzählt Yannick und meinte weiter: „Wenn jemand unter der Maske keine Luft bekommt, verliert sie ihren Sinn. Dann ist man vor Corona geschützt, fällt aber wegen Sauerstoffmangel um. Deshalb: Wenn ihr einen ohne Maske seht, kann das auch gute Gründe haben. Dann hält man halt Abstand – und ist genauso gut vor Ansteckung geschützt.“

Leider findet das Thema Mundschutz oder Mundmasken keine bundeseinheitliche Regelung. In unserem Artikel Gilt die Maskenpflicht für Menschen mit Behinderung? hatten wir uns schon mal mit der Frage auseinandergesetzt und mussten nach Anfrage bei den Bundesländern erfahren, dass die Regeln der Bundesländer für Menschen mit Behinderungen recht unterschiedlich sind. ( hier nachzulesen ). Aktion-Mensch hatte auf Tobias und Yannick aufmerksam gemacht. Beide sind auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch es gibt noch viele andere Krankheiten, die das Tragen einer Mundmaske "verhindern". Behinderungen oder Erkrankungen, die einem Menschen äußerlich nicht anzusehen sind. Wenn jemand keine Maske trägt, kann das Gründe haben und diese zu hinterfragen muss vor dem Verurteilen stehen.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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