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Werkstätten - Ungerechtigkeiten und so sieht der Alltag aus

Bildbeschreibung: Elektrische Komponenten, die in einer Werkstatt bearbeitet werden.
Foto: © 2020 EU-Schwerbehinderung

Wer arbeiten geht, erhält dafür ein Gehalt oder Lohn. Dass dabei nicht zu wenig gezahlt wird, wird durch den Mindestlohn geregelt. Anders sieht es aber aus, wenn ein Mensch behindert ist, denn hier greift oft ein Arbeitsmodell, welches behinderte Menschen nicht selten zu Billiglöhnern macht.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderten Menschen e.V. (BAG WfbM) schreibt auf ihrer Internetseite: "Werkstätten sind keine Erwerbsbetriebe, sondern als Eingliederungseinrichtungen Teil des umfassenden Systems der beruflichen Rehabilitation in der Bundesrepublik Deutschland" - Eingleiderung und berufliche Rehabilitation ist also das eigentliche Ziel, doch wird das überhaupt erreicht, wenn man bedenkt das es in den Werkstätten Menschen gibt, die niemals einen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt erhalten haben? Die BAG WfbM schreibt dazu "Werkstätten sind kein Teil des allgemeinen Arbeitsmarktes, die Werkstattbeschäftigten sind keine "Arbeitnehmer im Wartestand"." - Begründet sich daraus etwa, warum die Menschen die dort arbeiten, so wenig Lohn erhalten, dass ein Leben ohne Sozialhilfe nicht möglich ist?



"Werkstätten sind ein Arbeitsleben ganz besonderer Art: Nicht die private Gewinnerwartung, Kapitalverwertung, Warenproduktion oder das wirtschaftliche Ergebnis stehen im Vordergrund, sondern die regionale Versorgung behinderter erwachsener Menschen mit angepaßten Beschäftigungsmöglichkeiten, einer beruflichen und persönlichkeitsbildenden Förderung, ergänzt durch arbeitsbegleitende Förder-, Bildungs- und Therapiemaßnahmen durch geeignete Fachdienste.", schreibt die BAG WfbM ebenfalls auf ihrer Internetseite.

Wie auch immer diese Definition aussieht. Für viele Menschen bleibt die Werkstatt eine Dauerinstitution und wird als Mittel genutzt, überhaupt irgendwie eine Beschäftigung zu haben, das für ein "Lohn" von gerade mal durchschnittlich einen Euro und 20 Cent pro Stunde. Für viele Menschen in den Werkstätten ein Grund, am Ende dann doch lieber, sobald wie möglich, in Rente zu gehen oder die Werkstätten zu verlassen.

Ein Leser hat in einem Selbstinterview ein paar Fragen beantwortet:

Wie sieht ein typischer Tag in der Werkstatt für dich aus?

Ich fange früh um neun an und erledige dann meine Aufgaben, die erledigt werden müssen. Spricht, Aufträge aus der freien Wirtschaft müssen sachlich und pünktlich abgearbeitet werden. Zwischendurch werden die Pausen zur Mittagsmahlzeiten eingehalten. Wer Facharzttermine während der Arbeitszeit, kann dies wahrnehmen. Auf Grund meiner Behinderung müsste ich die Facharzttermine auf ersten Arbeitsmarkt auch so nehmen, wie die Termine vorhanden sind? Wo bitte ist hier der Unterschied, zwischen dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt???

Sieht es für die anderen Beschäftigten ähnlich aus, oder gibt es da große Unterschiede?

Als Besucher, der durch die Werkstatt geht, würden kaum darauf kommen, das Angestellte und die Beschäftigten der Einrichtungen zusammenarbeiten und trotzdem nicht gleichgestellt sind.

Auf den Websites von WfbM werden nahezu nur Menschen gezeigt, die Freude an ihrer Arbeit haben. Wie schätzt du die Stimmung in deiner Werkstatt ein?

Was ist denn zu erwarten, wenn zu 70 % der Beschäftigten eine geistige und Mehrfachbehinderung aufweisen und keine andere wirkliche Alternative angeboten werden, als das jetzige System der WfbM? Viele Menschen sind dort beeinflussbar, wie schön es doch die Beschäftigten dort hätten.

Es gibt unterschiedliche Behinderungsarten, warum behinderte Menschen?

Geistig, körper- und seelisch- bzw. mehrfachbehinderte Menschen arbeiten zusammen in einer Einrichtung. Sollte man pech haben, wird keine Differenzierung unternommen, welche Menschen zusammenarbeiten. In der WfbM, wo ich arbeite, kann dies nicht behauptet werden.

Wie würde dein Arbeitsleben aussehen, wenn du frei darüber entscheiden könntest?

Das System der WfbM muss dringend reformiert werden. Sollen diese Einrichtungen als Rehabilitationseinrichtung oder als Dienstleister geführt werden. Beides passt in einer kapitalistischen Wirtschaft sind zusammen. Seit wann dauert eine Rehabilitation der Beschäftigten mehr als drei Jahre?? Warum werden die Beschäftigten der WfbM in Form eines Taschengeldes vergütet? Dann könnte man auch dort unter drei Stunden dort seine Arbeit nachgehen. Teilhabe am Arbeitsleben heißt nicht nur, dass man eine Struktur im Alltag nachgehen kann. Sondern, dass niemand auf keine Grundsicherung angewiesen sollte, wenn alle Menschen in einer Einrichtung zusammenarbeiten. Das System der Fürsorge ist menschenverachtend und widerspricht der UN-BRK.

Was sind die drei dringendsten Dinge, die sich deiner Meinung nach für Menschen mit Behinderungen in Bezug auf Arbeit ändern müssen?

Gleiche Verpflichten und Rechte im Arbeitsleben für alle Menschen. Ganz egal, ob man behindert ist. Wer behindert ist braucht keinen Betreuer am Arbeitsplatz, sondern einen Assistenz an seiner Seite.

Was rätst du jungen Menschen mit Behinderungen, die die Empfehlung “Werkstatt” bekommen?

Jeder junge Mensch sollte versuchen, einen Schulabschluss abzuschließen. Egal, ob der Abschluss durch Unterstützung erreicht wird. Mindestens einen Hauptschulabschluss. Sollte nach der Schullaufbahn eine Ausbildung abgeschlossen werden können, müssen die Arbeitgeber verpflichtet werden, Schwerbehinderte einzustellen. Tun dies nicht, sollten die Lebenshaltungskosten der Menschen von der freien Wirtschaft übernommen werden. Warum soll es der Steuerzahler es finanzieren???? Der Zugang in die WfbM sollte das allerletzte Mittel sein.

Du hast vor mit einer Klage gegen deine Werkstatt bis vor das Bundesverfassungsgericht zu gehen. Worum geht es in der Klage?

Mit einer Klage wollte ich erreichen, das Beschäftigte dort gleichgestellt werden, wie die Angestellten der Einrichtungen. Nämlich als volle Arbeitnehmer. Bis zum BAG Erfurt bin ich gescheitert. Weil man den Werkstattvertrag unterschrieben hat und somit den Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn ausgehebelt hat. Eigentlich wollte ich in diesem Jahr noch vor dem Bundesverfassungsgericht gehen. Leider ist der Anwalt, der mit mir zusammen dorthin gehen wollte, verstorben. Andere Anwälte zeigten sich daran kaum interessiert. Außerdem sind die Kosten dafür nicht gedeckt. Am Ende habe ich für mich entschieden, diesen Weg nicht zugehen. Weil ich Ende Dezember 2020 die 20 Beitragsjahre für die DRV erfüllt habe und somit die EU Rente beantragt werden kann.

Was möchtest du den Menschen sagen, die meinen, der allgemeine Arbeitsmarkt wäre zu hart für viele Menschen mit Behinderungen?

Ob der erste Arbeitsmarkt für die behinderten Menschen zu hart ist, hängt immer davon ab, wie doll man behindert ist und welche Aufgaben man erfüllen kann. Allgemein ist der erste Arbeitsmarkt eine Ausbeutung der Beschäftigten, weil er nicht sozial ist. Leider steht das Kapital immer vor den Menschenrechten.

Möchtest du uns sonst noch etwas erzählen?

Das System der Werkstätten haben weder mit Rehabilitation noch mit der Teilhabe am Arbeitsleben zu tun. Letzt endlich geht es darum, wer diese Personengruppen tagsüber betreut werden. Nur dafür braucht es keine Werkstätten für behinderte Menschen.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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Kommentare (2)

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Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Text besser redigiert worden wäre. Die Antworten sind leider kaum verständlich und auch der Einstiegstext hat viele Fehler. So wird ein derart wichtiges Thema kaum das Publikum finden, das es verdient.

  Ingrid
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Hallo Ingrid,

wenn Sie detaillierte Kritik zum Inhalt haben, würde es den Leserinnen und Lehrern bestimmt helfen, wenn Sie diese hier darstellen würden.

Die Fragen mit den zugehörigen Antworten stammen von einem Mitarbeiter aus einer WfbM und...

Hallo Ingrid,

wenn Sie detaillierte Kritik zum Inhalt haben, würde es den Leserinnen und Lehrern bestimmt helfen, wenn Sie diese hier darstellen würden.

Die Fragen mit den zugehörigen Antworten stammen von einem Mitarbeiter aus einer WfbM und wird daher als Zitierung auch nicht geändert.

Ihre
Redaktion EU-Schwerbehinderung

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  Redaktion
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