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Fachkräftemangel in der Pflege spitzt sich dramatisch zu

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Anna Shvets

Vier von fünf offene Stellen in der Pflegebranche bleiben unbesetzt, weil es kein ausreichend qualifiziertes Personal gibt. Diese alarmierende Erkenntnis geht aus den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) und von ETL ADVISION hervor, die in dem erstmals herausgegebenen ETL ADVISION "Fachkräftekompass Pflege" exklusiv veröffentlicht wurden.

"Durch die Überalterung in der Gesellschaft steigt der Mangel an Fachkräften weiter an und auch die abnehmende Attraktivität des Pflegeberufs und fehlende Weiterbildungen sind ein wachsendes Problem. Pflegeunternehmen müssen jetzt handeln", warnt die Autorin des Fachkräftekompass Pflege Janine Peine, Steuerberaterin und Branchenleitung von ETL ADVISION. Mit der Analyse liefert Deutschlands größte Steuerberatungsgruppe für das Gesundheitswesen ETL ADVISION einen detaillierten Empfehlungskatalog für Arbeitgeber, der anhand erfolgreich umgesetzter Praxisbeispiele vielfältige Möglichkeiten zur Neujustierung von Unternehmensstrukturen im Sinne der Fachkräfte-Gewinnung aufzeigt. "Der "Fachkräftekompass Pflege" fordert Arbeitgeber zur Selbstreflektion und zum Handeln auf und dient als Impuls, sich als Pflegeeinrichtung am Markt als zukunftsorientierter Arbeitgeber zu positionieren", betont Christoph Soldanski, Co-Autor der Analyse und Fachbereichsleiter für Pflege und Heilmittelerbringer bei ETL ADVISION.

Seit 2010 offene Stellen in der Pflege fast verdoppelt

Der Bedarf an Pflegekräften wächst rasant. Seit 2010 ist die Zahl der offenen Stellen von 40.000 auf über 60.000 gestiegen, was einer Zunahme von über 50 Prozent entspricht. Die Zahl der auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren qualifizierten Pflegekräfte ist mit 45.596 seit 2010 um rund 13 Prozent gesunken. Von den arbeitslosen Pflegekräften haben 81,2 Prozent keine Berufsausbildung abgeschlossen und gehören damit zu den Geringqualifizierten. Jedoch erfordern 76,6 Prozent der Stellenausschreibungen in der Pflege mindestens eine Qualifikation als Fachkraft. "Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen, wenn in den nächsten 5 Jahren rund 170.000 Beschäftigte das Renteneintrittsalter erreichen und den Arbeitsmarkt verlassen", erklärt Janine Peine.

Über 80 Prozent Fachkraft-Stellen in der Pflege sind nicht besetzbar

"Es gibt kein einziges Bundesland in dem alle freien Fachkraft-Stellen mit qualifiziertem Pflegepersonal besetzt werden können", betont Janine Peine. "Deutschlandweit liegt der Anteil an offenen Fachkraft-Stellen, für die es keine qualifizierten Arbeitslosen gibt, bei 81,4 Prozent. Somit konnten im Jahr 2021 etwa vier von fünf offenen Fachkraft-Stellen in der Pflege nicht mit qualifiziertem Personal besetzt werden." Die Fachkräftelücke steht in direktem Zusammenhang mit der Bevölkerungsdichte. In bevölkerungsstarken Regionen wie Hamburg oder Berlin wurden im letzten Jahr 54,5 Prozent beziehungsweise 66,0 Prozent der offenen Fachkraft-Stellen nicht passend besetzt, während die sogenannte Stellenüberhangsquote in den bevölkerungsärmeren Regionen Niedersachsen, Bayern und Brandenburg sogar bei 87,4 Prozent, 87,3 Prozent und 87,1 Prozent liegt.

Insgesamt höhere Wertschätzung des Pflegeberufes wichtig

Längst gehen die Wünsche und Ansprüche an den Arbeitgeber über ein hohes Bruttogehalt hinaus. "Ein Hauptaspekt ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen", erklärt Christoph Soldanski. Aber auch persönliche Faktoren beeinflussen immer stärker die Entscheidung, das Pflegeunternehmen zu wechseln oder sogar die Branche zu verlassen. Planungssicherheit, ein gutes Teamklima und ein vertrauensvolles Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben einen hohen Stellenwert bei Arbeitnehmern. "Auch höhere Löhne und eine insgesamt größere Wertschätzung der Beschäftigten über die Pandemie hinaus sind wichtige Stellschrauben", fügt Christoph Soldanski hinzu.

Mitarbeiterbedürfnisse erkennen

Um die einzelnen Unternehmensbereiche zu verbessern und gleichzeitig die Wünsche der Arbeitnehmer zu berücksichtigen, ist ein detailliertes Konzept notwendig. Dieses muss individuell auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte und die Möglichkeiten des Pflegeunternehmens abgestimmt werden, betont der "Fachkräftekompass Pflege". Neben der Analyse der Mitarbeiterzufriedenheit ist das Zusammenspiel der Innen- und Außenwahrnehmung entscheidend für ein erfolgreiches Unternehmenskonzept zur Fachkräfte-Gewinnung.

Ein aussagekräftiger Online-Auftritt, die zielgruppenspezifische Suche nach Mitarbeitern und eine enge Zusammenarbeit mit bereits Beschäftigten sind wichtige Ansatzpunkte. "Die Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse der Mitarbeiter ist nichts Pflegespezifisches", erklärt Thomas Meißner, Vorstandsmitglied des Anbieterverbandes qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. Berlin. "Es ist ein Signal an die Leitung, zu schulen und weiterzubilden, um den neuen Anforderungen an Teamarbeit, an Führung und Begleitung im Sinne der Mitarbeiter und der uns anvertrauten Menschen neu zu justieren."

Quelle: ots - news aktuell

Autor: Redaktion über ots - news aktuell



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