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Jetzt nicht langfristige Maßnahmen für Krisenfestigkeit des Bildungssystems verschlafen

Bildbeschreibung: Eine Klassenzimmer mit Schüler/innen und vorne steht ein Lehrer an der Tafel.
Foto: © Max Fischer

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert an Bund, Länder und Kommunen, jetzt nicht die Initiierung langfristiger Maßnahmen für die Krisenfestigkeit des Bildungssystems zu verschlafen. Neben dem aktuellen und andauernden Krisenmanagement in unseren Kitas und Schulen gilt es dringend Mängel und Leerstellen, die in der Corona-Pandemie verstärkt sichtbar geworden sind, endlich anzugehen. Das betrifft eine notwendige Fachkräfteoffensive und eine digitale Bildungsoffensive ebenso wie eine Kinderrechtebildungsoffensive und eine Schulbauoffensive.

"Um nachhaltig und krisenfest gute Betreuung, Erziehung und Bildung zu gewährleisten, müssen mit Nachdruck zielgerichtete Fachkräfteoffensiven für Hort, Kindertagesbetreuung und Schule forciert werden. Dabei geht es sowohl um die Neugewinnung zusätzlichen Personals als auch um die qualitative Anpassung von Ausbildungsgängen. So müssen beispielsweise die Ausbildungs- und Weiterbildungscurricula so angepasst werden, dass sie den tatsächlichen Bedarfen von Fachkräften in der Praxis wieder zeitgemäß genüge tragen. Auch Medienbildung muss ein verbindlicher Bestandteil von Fachkräfteausbildung sein. Nicht zuletzt gilt es aber auch die Arbeitsbedingungen in den Blick zu nehmen, um die Attraktivität der Berufsfelder zu erhöhen", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

"Für eine digitale Bildungsoffensive braucht es einen umfassenden Schulentwicklungsprozess, der die digitale Weiterbildung und die Medienkompetenz bei Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern fördert und evaluiert. Das Aus- und Weiterbildungssystem für Fachkräfte muss grundlegende Digitalkompetenzen vermitteln, dafür braucht es bundesweite Standards. Eine entsprechende technische Ausstattungssituation in den Bildungseinrichtungen vorausgesetzt, müssen Fachkräfte auch in der Lage sein, Lehren und Lernen ohne Präsenzunterricht zu konzipieren und umzusetzen", so Hofmann weiter.

"Wir brauchen zudem eine Kinderrechtebildungsoffensive in Kitas und Schulen. Kinder haben ein Recht auf Beteiligung, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen. Um ihre Rechte einfordern zu können, müssen Kinder diese jedoch kennen. Damit Kinder ihre Mitbestimmungsrechte kennen, benötigen sie einen Rahmen und die Möglichkeit, demokratische Methoden der Mitbestimmung zu erfahren, zu erproben und umzusetzen. Das bedeutet, dass die Beteiligung bereits im Kita-Alter in den Bildungseinrichtungen implementiert ist", so Holger Hofmann.

"Schließlich brauchen wir auch eine Schulbauoffensive in Deutschland. Die Corona-Krise hat mehr als deutlich gezeigt, dass viele Schulgebäude sanierungsbedürftig sind. Die Gebäude sind häufig marode, es gibt Risse in den Fassaden, undichte Dächer und Fenster oder Fenster, die sich nicht öffnen lassen. Zudem sind skandalös viele Toiletten und Sanitäranlagen vollkommen heruntergekommen, verfügen oft nicht einmal über funktionsfähige Seifenspender. Der massive, seit Jahrzehnten verschleppte Sanierungsstau muss von den Kommunen endlich angegangen werden, um Kindern eine gute Lernumgebung zu bieten.

Bund und Länder sind dazu angehalten, die Kommunen bei der Bewältigung dieser Herausforderung stärker als bisher zu unterstützen. Nötig wäre ein entsprechend ausgestattetes Investitionspaket für Schulsanierungen. Wir brauchen Schulgebäude, die eigenständiges Lernen ermöglichen, in denen sich die Kinder flexibler als bisher frei im Raum bewegen oder sich in kleineren Lerngruppen zusammenschließen können. Zudem braucht es ein Außengelände, das auch ein Lernen und vielseitigen Aufenthalt im Freien ermöglicht. Mit grünem Klassenzimmer, naturnah gestaltetem Schulhof mit Ruhezonen oder Schulgarten mit Biotop und Hochbeet. Wir brauchen Räumlichkeiten, die nicht einzig darauf ausgerichtet sind, ganztägig im Klassenverband auf engstem Innenraum zu verweilen. Insbesondere im Ganztagsschulbetrieb sind hier erhebliche Veränderungen nötig", so Hofmann abschließend.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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