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Corona-Prämien ein Motivationsschub für „systemrelevante“ Berufsgruppen sieht anders aus“

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Happy Patel

Der DBfK hat von Anfang an deutlich gemacht, dass die so genannten Corona Prämien für beruflich Pflegende kein ernsthafter Ausdruck von Wertschätzung und vor allem kein nachhaltiges Mittel zur Verbesserung der finanziellen Situation von Pflegefachpersonen sind.

Hinzu kamen noch das unwürdige Gezerre um die Frage „Wer zahlt wem wie viel?“ und hohe Hürden bei der Umsetzung – auch das mit Ansage. Darauf, dass im Krankenhaus-Bereich nicht viele davon profitieren würden, verwies der DBfK ebenfalls frühzeitig. Wie wenige Pflegende nun tatsächlich diese Prämie bekommen, wird jetzt erst richtig deutlich.

Wie eine Bundestagsanfrage ergeben hat, erfüllen nur 433 der fast 1 600 Krankenhäuser in Deutschland die erforderlichen Kriterien, drei Viertel davon gehen also leer aus. Von den durch den Bund bereitgestellten 100 Millionen Euro werden nur sehr wenige Pflegende im Krankenhaus profitieren. Hinzu kommt, dass die Höhe der Prämie für einzelne Beschäftigte, die nicht zwangsläufig aus dem Pflegedienst kommen müssen, krankenhausindividuell zwischen Mitarbeitendenvertretung und Klinikleitung verhandelt werden muss.

Die maximale Höhe der Prämie darf dabei 1 000 Euro nicht übersteigen. „Beschämend ist das“, so Martin Dichter, Vorsitzender des DBfK Nordwest e.V. „Was soll das für ein Zeichen sein? Ein selektiver Bonus, der überdies in vielen Belegschaften wie ein Spaltpilz wirken dürfte – nicht nur innerhalb der Berufsgruppe der Pflegefachpersonen, sondern zwischen allen Beschäftigten im Krankenhaus.“ Mit Ausnahme weniger Bundesländer, die eigene Mittel für eine Prämie für Pflegende im Krankenhaus bereitstellen, erhalten nur ausgewählte Beschäftigte weniger Krankenhäuser die Bonuszahlung – und ausgerechnet die Vertreterinnen und Vertreter der Mitarbeitenden wie Betriebs- und Personalräte sollen diese Auswahl mitverantworten. „Das geht gar nicht! Deshalb verstehen und unterstützen wir es, dass viele Mitarbeitendenvertretungen die Mitwirkung an der Verteilung dieser Prämie verweigern“, so Dichter weiter.

Vor diesem Hintergrund erscheint die ebenfalls erst nach langem Hickhack verabschiedete Prämie für Altenpflegende mit ihren vielen handwerklichen Fehlern bei Berechnung und Auszahlung im Nachhinein fast gerecht. „Im Angesicht der aktuellen pandemischen Entwicklung wissen wir als Berufsverband für Pflegeberufe wirklich nicht, mit welchen Argumenten wir Pflegefachpersonen noch motivieren sollen“, konstatiert Dichter. „Die Einweisungen ins Krankenhaus laufen den Infektionszahlen hinterher. Das bedeutet, dass wir das ganze Ausmaß erst in den kommenden Wochen und Monaten sehen werden“. Für die zu erwartenden Belastungssituationen gibt es nach wie vor zu wenige Kolleginnen und Kollegen. Insbesondere zu wenige, die mit entsprechender Qualifikation in der hochspezialisierten intensivmedizinischen Versorgung von schwer an COVID-19-Erkrankten arbeiten können.

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„Kein einziger der schon vor Beginn der Pandemie manifesten Missstände in der Pflege wurde wirklich angegangen in den vergangenen Wochen und Monaten, als relative Ruhe herrschte,“ bemängelt Dichter. „Pflegefachpersonen schlagen sich im Alltag mit den immergleichen Problemen herum, und neue, massive Fehlentwicklungen sind durch die Aussetzung von Regeln zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Krankenhaus hinzugekommen. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie die Verantwortlichen dieses Prämien-Placebo für einige Wenige als wertschätzende Geste verkaufen wollen. Ein Motivationsschub für „systemrelevante“ Berufsgruppen sieht anders aus.“

Autor: DBfK / © EU-Schwerbehinderung



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