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Steigende Heimkosten: Pflege macht arm

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau und daneben ist eine Hand mit mehreren Euromünzen.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hat am 27 Januar die neuesten Zahlen zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und Pflegeversicherung vorgestellt. Das alarmierende Ergebnis: Die finanziellen Belastungen pflegebedürftiger Menschen in der stationären Pflege sind seit Juli 2020 erneut gestiegen.

Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung leben, müssen im Bundesdurchschnitt aktuell monatlich 2.068 Euro eigenständig aufbringen. Alleine der Eigenanteil für die pflegebedingten Kosten ist im Bundesdurchschnitt um 45 Euro auf 831 Euro gestiegen.

Kritisch sieht der SoVD allerdings, dass die Eigenanteile für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten von der angekündigten Deckelung unberührt bleiben. „Das Armutsrisiko für Menschen, die auf eine Versorgung in einer Pflegeeinrichtung angewiesen sind, wird bei Gesamtkosten von weiterhin durchschnittlich rund 2.000 Euro im Monat nicht wirklich reduziert.“

Um Pflegebedürftige nicht finanziell zu überfordern, die vollständig stationär versorgt werden, soll ihr Eigenanteil an der Pflegevergütung schrittweise verringert werden mit der neuen Pflegereform die 2022 in Kraft treten soll. Danach soll der Eigenanteil bei den Pflegekosten sich in den Pflegegraden 2 bis 5 im ersten Jahr sich um 5 Prozent reduzieren, im zweiten Jahr im Heim um 25 Prozent, im dritten Jahr um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr dauerhaft um 75 Prozent.

Der SoVD Hamburg kritisiert das die Belastungen für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörige massiv zugenommen hat. Pflegebedürftige und ihre Familien müssen in Hamburg immer mehr für die Pflege bezahlen: So kostet die Betreuung derzeit durchschnittlich 2.143 Euro pro Monat, mehr als im Bundesdurchschnitt. „Stationäre Betreuung bedeutet langfristig für immer mehr Menschen der finanzielle Ruin. Stattdessen müssten die Betroffenen aber entlastet werden. Dazu sollte der Senat das Pflegewohngeld wiederauflegen“, fordert Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Die finanzielle Belastung der Bewohner*innen von stationären Hamburger Pflegeeinrichtungen ist im Vorjahresvergleich um 111 Euro erneut gestiegen. Der Kostendruck für Senior*innen und ihre Angehörigen wird immer höher: „Viele der Betroffenen müssen trotz guter Rente finanzielle Hilfe vom Staat annehmen. Das bringt sie auf Sozialhilfeniveau – eine Tatsache, für die sich viele schämen, haben sie doch ihr ganzes Leben gearbeitet und vermeintlich für ihre Rente gut gesorgt“, sagt Wicher.

Eine konstruktive Entlastung sieht der SoVD-Landeschef in der Wiedereinführung des Pflegewohngelds: „Dabei handelt es sich um einen einkommensabhängigen Zuschuss zu den Investitionskosten, die jede*r Bewohner*in eines Pflegeheims zahlen muss. In Hamburg wurde dieser Zuschuss allerdings 2010 abgeschafft. Andere Bundesländer waren da weitsichtiger und haben sich dagegen entschieden: In Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wird das Pflegewohngeld nach wie vor gezahlt.“

Weiterhin fordert Wicher, die Konzepte zur Wirtschaftlichkeit von Pflegeheimen zu überarbeiten: „Neben den pflegebedingten Kosten haben sich die Investitionskosten in den letzten Jahren zu einem steigenden Faktor entwickelt. Sie machen mittlerweile fast ein Viertel der finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen aus. Der Staat hat die Verantwortung für die Infrastruktur und daher müssen Investitionsaufwendungen grundsätzlich vom Staat gefördert werden. Kostensteigerungen in Pflegeheimen sollten stärker geprüft werden.“

Wicher nimmt aber auch die Stadt in die Pflicht. Schon vor Jahren hatte er die damalige zuständige Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks auf die Problematik hingewiesen und zum Handeln aufgefordert: „Zuerst ist hier die Bundesregierung gefragt. Auch Hamburg muss aktiv werden und das Pflegewohngeld wiedereinführen. Denn, wann dazu eine Bundesregelung kommt, steht in den Sternen. So lange können die Senior*innen, die heute in Pflegeeinrichtungen betreut werden, nicht warten. Sie sind keine Bittsteller, sondern haben ihr Leben lang ehrlich gearbeitet und Steuern gezahlt. Es kann nicht sein, dass sie am Ende nur noch mit dem Allernötigsten auskommen müssen. Pflege darf nicht zum Armutsrisiko werden!“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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