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Die Pflegebegutachtung während der Pandemie

Bildbeschreibung: Eine Jüngere Frau und ein ältere Mann.
Foto: © GettyImages.de/JacobWackerhausen

Pflegekassen dürfen bis einschließlich 30. September 2021 Pflegebegutachtungen per Telefon oder digital durchführen, wenn dies der Verhinderung einer Ansteckung mit dem Coronavirus dient. Die entsprechende gesetzliche Regelung gilt bereits seit dem 28. März 2020 und wurde nun um drei Monate verlängert. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) empfiehlt Versicherten, die Ergebnisse der Pflegebegutachtungen, die der Medizinische Dienst (MD) im Auftrag der Pflegekassen telefonisch durchgeführt hat, kritisch zu hinterfragen und im Zweifel auf eine erneute, persönliche Begutachtung zu bestehen.

Versicherte berichten der UPD immer wieder, dass es durch die telefonische Pflegebegutachtung zu Fehlentscheidungen kommt, indem zum Beispiel kein oder ein zu niedriger Pflegegrad vergeben wird.{ loadmoduleid 312}

Beantragen Versicherte bei der Pflegekasse einen Pflegegrad, werden sie in der Regel persönlich in ihrer Wohnung durch den MD begutachtet. Vorerst bis zum 30. September 2021 ist es aufgrund der Corona-Pandemie jedoch zulässig, dass die Begutachtung ohne persönliche Untersuchung vor Ort erfolgt. Laut Gesetzesbegründung ist vor allem ein strukturiertes Interview vorgesehen, das auch per Telefon oder digital geführt werden kann, ergänzt um weitere notwendige schriftliche Unterlagen.

Die UPD setzt sich dafür ein, möglichst bald wieder zur persönlichen Begutachtung im Wohnbereich überzugehen. „Die Gutachter müssen zum Beispiel prüfen, wie sicher sich die Versicherten in der eigenen Wohnung bewegen, ob sie sich selbst anziehen, essen oder sich waschen können. Ein Bild davon können sie sich am besten vor Ort machen“, sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der UPD. „Wenn sie durch die telefonische Begutachtung keinen Pflegegrad erhalten oder zu niedrig eingestuft zu werden, hat das für viele Ratsuchende gravierende Folgen. Betroffene müssen ganz oder teilweise auf Pflegeleistungen wie Pflegegeld oder pflegerische Versorgung verzichten, auf die sie dringend angewiesen sind“, betont Krumwiede.

„Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf eine persönliche Begutachtung“, sagt auch Heike Morris, juristische Leiterin der UPD. „Vollständig geimpfte Betroffene sollten auf eine persönliche Begutachtung bestehen und von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen, wenn ihnen aufgrund einer telefonischen Begutachtung der Pflegegrad versagt wurde.“

Die Pflegebegutachtung während der Pandemie

Der MD hatte im vergangenen Jahr Versicherte fast ausschließlich telefonisch begutachtet. Im März 2021 hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS – demnächst MD Bund), der die Richtlinien für die Tätigkeit des MD erlässt, flächendeckend einheitliche Maßgaben festgelegt, nach denen die Pflegekasse die Versicherten davon abweichend persönlich begutachten sollen. In diesem Zusammenhang verweist der MDS darauf, dass es sich bei der Begutachtung außerhalb des Wohnbereichs um einen Ausnahmefall handelt, und legt strenge Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen für die persönliche Begutachtung fest. Die Unabhängige Patientenberatung teilt die Einschätzung, dass der persönliche Hausbesuch das beste Verfahren zur Begutachtung ist und bleibt.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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