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VdPB-Studie zum Pflegepersonalbedarf in Bayern prognostiziert dramatischen Mangel

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © bruce mars

Bei insgesamt acht Regionalveranstaltungen präsentiert die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) die Ergebnisse der von ihr beauftragten Studie zum Pflegepersonalbedarf in allen bayerischen Regierungsbezirken. Bereits nach sechs der geplanten acht Veranstaltungen ist festzustellen, dass die Brisanz der Situation in den Regionen zwar im Ansatz angekommen ist, die Verantwortung für machbare Lösungen aber immer noch viel zu sehr der landes- und bundespolitischen Ebene zugeschrieben wird.

„Pflege neu denken – das ist das einzige Credo, das sich aus unserer Pflegepersonalbedarfsstudie Bayern herauslesen lässt. Und das meint vor allem auch die Akteure auf kommunaler Ebene. Die von uns beauftragten Institute haben eindeutig festgestellt, dass sich die pflegekulturellen Orientierungen regional ebenso unterscheiden wie die infrastrukturellen Voraussetzungen. Unserer Ansicht nach ist zwar der strukturelle Reformbedarf in der Pflege auf landes- und bundespolitischer Ebene so groß wie nie zuvor, aber die regionalen Stellschrauben müssen zwingend und so schnell wie möglich auch bedient werden, um dem dramatischen Mangel wirkungsvoll zu begegnen“, erklärt Georg Sigl-Lehner, Präsident der VdPB.

Die Studie, die Prof. Dr. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) und Prof. Dr. Thomas Klie vom AGP Sozialforschung im Auftrag der VdPB durchgeführt haben, gibt mit ihrer tiefgreifenden Datenanalyse einen guten, vor allem aber einen regional aufgeschlüsselten Einblick in Personalbedarfe in der Pflege. Anders als bisherige Untersuchungen betrachtet die sogenannte Monitoringstudie den Arbeitsmarkt sektorenübergreifend und differenziert die Bedarfe und Ressourcen nicht nach stationär und ambulant oder Langzeit- und Akutpflege.

Dieser Ansatz erlaubt erstmals Rückschlüsse über den gesamten Arbeitsmarkt in der Pflege und mündet in einen Index fachpflegerische Versorgungssicherung, der regionale Prognosen ermöglicht und entsprechende kommunale Handlungsoptionen verdeutlicht. So werden nicht nur die unterschiedlichen demografischen Daten der regionalen Pflegeinfrastruktur gegenübergestellt, sondern auch die jeweiligen Ausbildungszahlen und -standorte mitberücksichtigt. Das ergibt insgesamt ein heterogenes Bild für den Freistaat, zeigt aber neben der in allen Regionen mehr oder weniger prekären Personalnot regional angepasste Lösungswege, die auf den Regionalveranstaltungen mit den Akteuren und den politisch Verantwortlichen vor Ort diskutiert werden.

„Für Bayern sind erstmals derartig fundierte und auch mit den Primärdaten für den Betrachtungszeitraum 2020 ungewöhnlich frische Daten erhoben worden. Es ist nicht nur ein gesetzlicher Auftrag für uns, solche Analysen zu liefern, wir wollen und müssen daraus auch den Beitrag ableiten, den die Profession Pflege selbst leisten kann, um die fachpflegerische Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Wir werben auf unseren Regionalveranstaltungen für ungewöhnliche Allianzen, die bereit sind, kreative Ideen und Lösungswege mitzutragen“, betont Sigl-Lehner und ergänzt: „Die beruflich Pflegenden müssen insbesondere nach über anderthalb Jahren Corona-Pandemie ihr Verantwortungsbewusstsein nicht mehr unter Beweis stellen, aber wir möchten es einsetzen, um eine gute und nachhaltige Versorgung gewährleisten zu können.

Wir halten beispielsweise die Stärkung kommunaler Versorgungsstrukturen auf Basis pflegerischer Expertise in Kombination mit einem konsequenten Ausbau des ambulanten Bereichs auch in der Prävention für unerlässlich. Für uns ist die Datenerhebung nur der erste Schritt!“ Die beiden Studienautoren Isfort und Klie stützen diese Argumentation und fordern, Konkurrenz ums Personal ad acta zu legen und stattdessen gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Ohne eine entsprechende Haltung, ohne Angebot ganz neuer Pflegearrangements, einer konsequenten Akademisierung und ebensolcher Förderung der Pflegepädagogen-Ausbildung sowie einer stark am regionalen Bedarf orientierten beruflichen Pflegeausbildung sei nicht einmal der Status quo zu erhalten, geschweige denn ein Ausbau von Pflegeplätzen zu erreichen, warnen die Pflegeforscher eindringlich. Außerdem empfehlen sie die Registrierung der Pflegefachpersonen in Bayern durch die VdPB und eine der generalistischen Pflegeausbildung angepasste und gesetzlich neu definierte Struktur der pflegerischen Weiterbildung.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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