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Die Oppositionen zur Grundrente

Bildbeschreibung: Ein älteres Paar auf einer Bank.
Foto: © Alexander Kliem

Gestern wurde im Kabinett die Grundrente beschlossen. (wir berichteten) Die Grundrente soll um die 1,3 Millionen Menschen zu gute kommen, so soll rein rechnerisch der Zuschlag durchschnittlich rund 83 Euro mehr im Monat sein. Jedoch sorgt die Grundrente für Kritik, gerade wegen den 33 Beitragsjahren, so werden Menschen die erwerbsgemindert sind und vorzeitig ihre Arbeit aufgeben mussten ausgenommen von der Grundrente. Diese Menschen sind somit weiterhin von der Armut betroffen.

Markus Kurth, Sprecher für Rentenpolitik von den Grünen hat sich gestern in einer Pressemitteilung zur Grundrente geäußert:

Wer langjährig in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, sollte eine garantierte Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten. Mit ihrer Version einer Mindestrente verfolgt die Koalition zumindest die richtige Idee. Nach monatelangem Ringen handelt die Koalition nun aber nach dem Motto: Hauptsache ein Kabinettsbeschluss - um die Probleme kümmern wir uns später.

Das ohnehin vermessene Versprechen, Lebensleistung anerkennen zu wollen, wird jedoch bestenfalls halbherzig eingelöst. In teuren Großstädten bleiben Hunderttausende wegen der Wohnkosten in der Sozialhilfe stecken. Für sie gelten trotz eines Freibetrags in der Grundsicherung weiterhin Bedarfsprüfungen bei der Angemessenheit des Wohnraums und der Anrechnung der Ersparnisse. Hinzu kommt: Die Grundrente ist viel zu kompliziert. Kaum jemand kann sich während der Beitragsphase errechnen, ob es später einen Grundrentenanspruch geben wird und wie hoch er ausfällt.

Die Grüne Garantierente hingegen ist ein sehr einfaches Konzept, dass die eigene Rente nach 30 Versicherungsjahren auf einen festen Betrag aufstockt. Heute läge eine Garantierente bei rund 1.000 Euro und damit in der Regel klar oberhalb der Grundsicherung. Auf eine komplizierte Einkommensprüfung wird dabei verzichtet. Nur die Alterseinkommen aus der ersten Säule und die Einkommen von Verheirateten werden gemeinsam betrachtet.

Die Finanzierung der Grundrente ist zudem nach wie vor ungeklärt. Das Risiko, dass am Ende doch wieder die Beitragszahler zur Kasse gebeten werden, ist nicht ausgeräumt.

Johannes Vogel, der rentenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion hat sich ebenfalls gestern zur Grundrente in einer Pressemitteilung geäußert:

„Die heute im Bundeskabinett beschlossene Grundrente ist leider ein schlechtes Instrument für eine wichtige Frage. Union und SPD haben sich verrannt in einem Modell, wo am Ende leider die parteipolitische Gesichtswahrung offensichtlich wichtiger war als die beste Lösung in der Sache.

Denn diese Grundrente hilft leider nicht zielgenau gegen Altersarmut. Unsere Kritik im Detail: Erstens, es werden neue Ungerechtigkeiten geschaffen, zum Beispiel zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren. Zweitens, die Deutsche Rentenversicherung sagt, sie können nicht garantieren, dass der angekündigte Datenabgleich überhaupt funktioniert. Die Regierung ignoriert das aber alles. Und drittens, die Finanzierung stammt bisher nur aus dem Märchenbuch des Bundesfinanzministers.

Weiter wissen wir bisher nur, dass auf eine Steuer verwiesen wird, die es noch gar nicht gibt und die wahrscheinlich auch nie kommen wird. In der Rentenpolitik dürfen wir aber erwarten, dass es seriöse Gegenfinanzierung gibt für das, was vorgeschlagen wurde.

Und der größte Kritikpunkt ist: Alle, die weniger als 33 Versicherungsjahre haben, gehen bei der Grundrente komplett leer aus. Wir wissen allerdings, dass von denjenigen, die mehr Versicherungsjahre haben, überhaupt nur ein Prozent von Altersarmut betroffen sind. Das heißt, diejenigen, denen wir wirklich helfen müssten, die profitieren von diesem Instrument nicht. Wir bleiben dabei: Unser Gegenvorschlag einer Basisrente wäre das bessere System gewesen. Die stellt sicher, dass jede und jeder, die gearbeitet und eingezahlt haben, im Alter sicher mehr haben als die Grundsicherung und im Alter nicht aufs Sozialamt gehen."

Wir hören leider, dass der Zeitplan der Rentenkommission ins Rutschen geraten ist und jede Form der Einigung in den Sternen steht. Und das lässt leider befürchten, dass das ganze Konstrukt der Rentenkommission zu Scheitern droht. Wenn das passiert, dann stehen Union und SPD vor einem Scherbenhaufen ihrer Rentenpolitik. Es wurde in dieser Legislaturperiode insbesondere durch das Rentenpaket 2018 mit der Gießkanne Geld ausgegeben, die Rente wurde destabilisiert und es wurden teilweise sogar Reformen der 2000er Jahre, die damals im überparteilichen Konsens vorgenommen wurden, effektiv rückabgewickelt.

Wenn das am Ende die einzige Bilanz dieser Bundesregierung ist, dann muss man sagen: Das ist gegenüber den jüngeren Generationen unverantwortlich. Union und SPD haben an den Fundamenten der Rentenfinanzen selber rumgesprengt, haben dann mit der Rentenkommission nach Experten gegen die Einsturzgefahr gerufen und wenn daraus politisch jetzt nichts folgt, muss man sagen: Das ist die katastrophalste rentenpolitische Bilanz einer Bundesregierung überhaupt.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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