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Aktion Mensch-Umfrage zeigt: Individuelle Mobilität wird durch Barrieren massiv eingeschränkt

Bildbeschreibung: Eine Straßenbahn in Berlin an einer Haltestelle.
Foto: © kk / EU-Schwerbehinderung

Jeder dritte Mensch mit Beeinträchtigung traut sich nicht, selbstständig unterwegs zu sein. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung der Aktion Mensch anlässlich zum Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung der am 5. Mai war.

Zu den Themen Mobilität und Barrierefreiheit wurden 1.000 Menschen mit Beeinträchtigung und 500 Menschen ohne Beeinträchtigung befragt. Die Ergebnisse: Menschen mit Beeinträchtigung nutzen genau so häufig öffentliche Verkehrsmittel wie Menschen ohne Beeinträchtigung. Zusätzlich müssen sie häufiger Termine bei Ärztinnen und Ärzte und Behörden wahrnehmen. Durch die vielerorts fehlende Barrierefreiheit sind sie jedoch in ihrer Mobilität bedeutend schlechter gestellt als Menschen ohne Beeinträchtigung.

Barrieren führen zu weniger Flexibilität im Alltag

“Seit Januar dieses Jahres sind die Kommunen per Gesetz dazu verpflichtet, den ÖPNV barrierefrei zu gestalten. Obwohl es bereits Fortschritte gibt, ist das bei den meisten Kommunen noch nicht der Fall. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit bleibt daher extrem wichtig. Auch die Umfrageergebnisse bestätigen: Es gibt weiterhin akuten Handlungsbedarf bei den Themen Barrierefreiheit und Mobilität”, erklärt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. So gaben jeweils 26 Prozent der Befragten mit Beeinträchtigung an, häufig auf nicht barrierefreie Bahnhöfe oder Haltestellen bzw. öffentliche Verkehrsmittel zu stoßen.

Im Vergleich dazu sind es bei den Befragten ohne Beeinträchtigung nur rund 20 Prozent. Bei den Befragten mit einer geistigen Beeinträchtigung stoßen sogar mehr als die Hälfte – 54 Prozent – auf einen nicht barrierefreien ÖPNV. Darüber hinaus sind es häufig vermeintlich kleinere Barrieren, die im Alltag als störend wahrgenommen werden: Von kurzen Fußgänger- und Ampelschaltungen fühlt sich knapp ein Drittel der befragten Menschen mit Beeinträchtigung häufig eingeschränkt.

Die individuelle Mobilität von Menschen mit Beeinträchtigung ist von weniger Flexibilität und zeitlichem Mehraufwand gekennzeichnet: So können mehr als die Hälfte der Menschen ohne Beeinträchtigung (54 Prozent) alltägliche Wege in bis zu 20 Minuten erledigen, was nur rund ein Drittel (34 Prozent) der Befragten mit starker Beeinträchtigung schafft. Fast eine*r von zehn Befragten, die sich im Alltag stark beeinträchtigt fühlen, benötigt für solche Wege sogar länger als eine Stunde.

Mangelnde Barrierefreiheit sorgt für Unsicherheit und fehlendes Selbstvertrauen

Menschen mit Beeinträchtigung nutzen drei bis vier Mal so häufig Verkehrsmittel wie Fernbusse, Fernzüge oder Taxis als Menschen ohne Beeinträchtigung. Jedoch traut sich mehr als ein Drittel nicht zu, selbständig unterwegs zu sein und zu reisen (34 Prozent). Unter den Menschen mit einer sichtbaren Beeinträchtigung ist dieses fehlende Vertrauen mit 57 Prozent besonders ausgeprägt. Sehr ungern unterwegs oder auf Reisen sind zudem Menschen mit einer psychischen (39 Prozent) oder sichtbaren Beeinträchtigung (39 Prozent). Bei Menschen ohne Beeinträchtigung ist es hingegen nur eine Minderheit von 18 Prozent.

Aus der Umfrage ergeben sich klare Forderungen an die Gesetzgebung und die Privatwirtschaft: Neue Mobilitätskonzepte müssen her! Nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft sollten zu umfassender Barrierefreiheit verpflichtet werden, „denn selbstbestimmte Mobilität muss für Menschen mit und ohne Behinderung in gleichem Maße möglich werden“, fordert Christina Marx. „Wichtig ist dabei, Menschen mit Behinderung von Anfang an in die Planungen einzubeziehen, um ihre Bedarfe angemessen zu berücksichtigen.”

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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