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Psychische Gesundheit und Arbeit

Bildbeschreibung: Auf dem Bild ist eine Holzfigur, symbolisch vom Stein erschlagen ls Symbol psychischer Belastung.
Foto: © Ulrike Mai

Der BKK Dachverband hat in seinem Gesundheitsreport 2019, sich mit dem Thema "Psychische Gesundheit und Arbeit" befasst, sowie in dem Report viele Daten präsentiert. Das 493 Seiten starke Exemplar kann man kostenlos als PDF-Download erhalten.

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz sind eigentlich kein neues Thema und nehmen, aufgrund immer steigender Anforderungen, immer mehr zu. Von 2007 bis 2017, hat sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme, verdoppelt. Die Zahl wuchs von 48 Millionen (2007) auf 107 Millionen (2017). Das zumindest ergab eine Antwort des Deutschen Bundestages, auf eine Anfrage der Bundesfraktion "Die Linke", Anfang des Jahres.

Häufig ist es chronischer Stress, der die Menschen psychisch krank macht. Meist als "Burnout" oder "Posttraumatische Belastungsstörungen" bezeichnet. Das damit nicht zu spaßen ist, zeigen auch die Zahlen zu den Rentenzugängen, wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen. Waren es 2007 noch 53.888 Menschen, so waren es 2017 bereits 71.303 Menschen (Quelle Statista). Das gerade psychische Erkrankungen nicht unterschätzt werden dürfen, zeigte der Fall Robert Enke im Jahr 2009. Durch Enke wurde erstmals öffentlich bewusst, dass Überlastungen, nicht nur zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen, sondern das die Gefahr von Suizid ziemlich hoch ist.

Zur heutigen Vorstellung des BKK-Gesundheitsreports zum Thema „Psychische Gesundheit und Arbeit“ erklären Beate Müller-Gemmeke (Die Grünen), Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik, und Maria Klein-Schmeink (Die Grünen), Sprecherin für Gesundheitspolitik: "Psychische Erkrankungen nehmen in der Arbeitswelt immer stärker zu. Fast jeder sechste Fehltag wird inzwischen durch sie ausgelöst. Den Beschäftigten geht immer mehr die Puste aus. Denn psychische Belastungen am Arbeitsplatz können nicht losgelöst von den Arbeitsbelastungen und Arbeitszeiten gesehen werden. Die Bundesregierung muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die eine gesunde Lebensweise und Zeiten des Miteinanders ermöglichen und Arbeitsprozesse entschleunigen. Dazu gehören eine alters- und alternsgerechte Gestaltung der Arbeitsplätze und eine weitergehende Enttabuisierung psychischer Erkrankungen, in allen Branchen und allen Lebensbereichen. Neu ist diese Erkenntnis aber nicht. Wenn Schwarz-Rot darüber aber immer nur redet, dann ist das zu wenig. Handeln ist angesagt, denn es geht immerhin um die Gesundheit der Beschäftigten. Bundesminister Heil muss endlich etwas gegen psychische Belastungen tun. Das Arbeitsschutzgesetz muss mit einer Verordnung konkretisiert werden, damit Arbeitgeber und Betriebs- und Personalräte ein Werkzeug an die Hand bekommen, um gemeinsam geeignete Lösungen gegen jede Form von Stress zu entwickeln. Zudem muss endlich Schluss sein mit prekären und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Die Beschäftigten brauchen soziale Sicherheit und Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen. Gleichzeitig sind es nicht nur Erwerbstätige, die aufgrund psychischer Erkrankungen ausfallen, auch unter Langzeitarbeitslosen ist die Anzahl an Arbeitsunfähigkeits-tagen besonders hoch. Für die meisten Menschen ist Arbeit ein wichtiger und sinnstiftender Teil ihres Lebens. Bei Verlust des Arbeitsplatzes braucht es deshalb gezielte gesundheitsbezogene Unterstützung und eine Beratung auf Augenhöhe. Das System ist bisher allerdings nicht dafür ausgelegt, psychisch erkrankten Menschen die Hilfe anzubieten, die sie benötigen. Ganz im Gegenteil, Versäumnisse werden im System des Arbeitslosengeldes II mit Sanktionierung finanziell noch bestraft - dies sorgt für zusätzliche Belastun gen. Die Bundesregierung muss deshalb endlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen im SGB II entsprechend reformieren. Es braucht positive und passgenaue Hilfen zum Erhalt oder zur Wiedergewinnung von Erwerbstätigkeit, eine respektvolle und wertschätzende Beratung sowie einen stärkeren Fokus auf gesundheitsbezogene Maßnahmen, wie Prävention, Früherkennung und Versorgung von psychischen Erkrankungen bis hin zur begleiteten Wiedereingliederung. Um das zu erreichen, muss Bundesarbeitsminister Heil vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen im SGB II so reformieren, dass sie eine Beratung und Begleitung auf Augenhöhe ermöglichen."

Jutta Krellmann, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Mitbestimmung und Arbeit, zum BKK-Gesundheitsreport 2019: "Wir brauchen eine Kehrtwende in der Arbeitswelt. Psychische Belastungen und Stress müssen eingedämmt werden. Dazu benötigen wir eine Anti-Stress-Verordnung mit klaren und verbindlichen Richtlinien für Arbeitgeber. Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist kein Allheilmittel, das zeigen die aktuellen Zahlen. Die Arbeitgeber drücken sich gekonnt um ihre Pflichten herum. Denn nur in jedem vierten Betrieb wird eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Und der Staat setzt weiterhin fahrlässig die Gesundheit der Beschäftigten aufs Spiel, weil Unternehmen im Schnitt nur noch alle 20 bis 40 Jahre kontrolliert werden. Wir brauchen endlich flächendeckende Arbeitsschutzkontrollen und außerdem starke Betriebsräte. Sie sind die Fachkräfte in ihren Betrieben und können maßgeblich Einfluss nehmen auf den Arbeitsschutz. Doch ihre Zahl nimmt ab. Deshalb müssen Betriebsräte besser geschützt und ihre Wahl erleichtert werden. "

Autor: hk / © EU-Schwerbehinderung




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