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Internationaler Tag der Pflegenden: Politik muss ihrer Verantwortung gerecht werden

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske und Schutzbrille.
Foto: © Cedric Fauntleroy

Der Internationale Tag der Pflegenden findet jedes Jahr am 12 Mai statt. Der Tag erinnert an den Geburtstag der Krankenpflegerin und Pflegepionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale. In diesem Jahr ist das Motto: Nurses: A Voice to Lead – A vision for future healthcare. Einige Fachverbände übersetzen es mit "Gesundheit ist ein Menschenrecht", eine sehr "freie" Übersetzung, denn wörtlich übersetzt bedeutet das Motto: "Krankenschwestern: Eine Stimme zum Führen - Eine Vision für die zukünftige Gesundheitsversorgung."

„Nur mit der Stimme und dem Beitrag der Pflegenden kann die Zukunft der pflegerischen Versorgung gestaltet und gesichert werden“, weist der Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), Franz Wagner, anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai 2021 hin.

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„Benötigt wird eine Vision für eine Gesundheitsversorgung mit Zukunft“, führt Wagner weiter aus. Der International Council of Nurses hat bewusst dieses Motto für den diesjährigen Internationalen Tag der Pflegenden gewählt.

„Seit über einem Jahr sind Pflegefachpersonen in allen Sektoren bis an und teilweise über den Rand ihrer Kräfte belastet. Das verdient ungeheuren Respekt. Aber wir werden dafür einen hohen Preis zu bezahlen haben. Dieser ist die Gesundheit der Pflegenden.

Zugleich gedenken wir unserer Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und weltweit, die durch ihre Arbeit an COVID-19 erkrankt und verstorben sind. Es ist die Erinnerung an sie alle, die uns in unserem Auftrag bestärkt, uns für deutliche und nachhaltige Verbesserungen der Arbeit von Pflegefachpersonen einzusetzen.“

Dem Motto des Internationalen Tags der Pflegenden folgend, wird der Deutsche Pflegerat die Zukunft der Gesundheitsversorgung und der Profession Pflege intensiv mitgestalten. „Es ist seit langem bekannt, wo die Probleme liegen und welche Lösungen es hierfür gibt. Was hindert, ist die mangelnde politische Bereitschaft, für tatsächlich nachhaltig wirksame und grundlegende Verbesserungen für die Profession Pflege zu sorgen.

Der Politik fehlt die klare Vision für die Zukunft der Profession Pflege. Nur ansatzweise wurden die Probleme angefasst. Die jetzigen Reformvorschläge zur Pflege sind Stückwerk. Sie ist nicht die große Reform, die benötigt wird, um deutlich zu machen, dass man wirklich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen will und diese auch finanziell solide absichert. Eine Verbesserung der Personalschlüssel darf dabei nicht von deren Finanzierung oder vom Arbeitsmarkt, wie es jetzt in der vollstationären Pflege geplant ist, abhängig gemacht werden.

Viele gute Chancen zur Verbesserung der Situation der Pflegenden wurden in den letzten beiden Jahrzehnten versäumt umzusetzen. Das hat das Ausmaß der Aufgaben, vor denen die Regierungen im Bund, aber auch in den Ländern nun stehen, dramatisch verschärft.

Jetzt sollen abgespeckte Reformen für den Pflegeberuf und seine Rahmenbedingungen in drei Sitzungswochen im Deutschen Bundestag durchgepaukt werden. Dies bedeutet, dass die nächste Bundesregierung große Aufgabenpakete angehen muss, um die professionelle Pflege und damit die Gesundheitsversorgung zukunftsfähig zu machen.

Denn neben der Verbesserung der Vergütung der Profession Pflege, die der Verantwortung und der Kompetenz der Pflegefachpersonen entspricht, müssen deren Berufs- und Aufgabenprofile im Abgleich mit anderen Gesundheitsprofessionen, insbesondere der der Ärzteschaft, geklärt werden. Auch dies fehlt im aktuellen Gesetzesverfahren weitgehend.“

Monika Arzberger, Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) erklärt zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai: „Die System- und Lebensrelevanz von Pflege, die täglich von hauptberuflichen Kräften in Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie von pflegenden Angehörigen geleistet wird, ist unübersehbar und muss deutlich honoriert und gestärkt werden.“

Der KDFB hält neue politische und strukturelle Rahmenbedingungen im gesamten Pflegesektor für dringend erforderlich. Verbunden sind damit höhere gesellschaftliche Wertschätzung sowie finanzielle Aufwertungen, Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen, Vereinbarkeit mit Familie und Partnerschaft, gerechte und gesicherte Bezahlung sowie eine größere Entlastung der vielen pflegenden Angehörigen, die sich neben dem Beruf um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern.

„Deutschland braucht mehr Pflegekräfte, das ist schon lange bekannt und zeigt sich in der Corona-Pandemie verschärft. Immer mehr Fachpersonal, darunter zahlreiche Frauen, verlässt den Beruf, weil die Rahmenbedingungen schlecht sind. Angestellte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen arbeiten seit langem am Limit und unter extremen körperlichen und seelischen Belastungen: zu viele Stunden, zu wenig Pausen, keine Freizeit, zu starker Zeitdruck, zu wenig Personal. Es scheint, als sei Menschenwürde Kranken und Alten vorbehalten und gelte nicht für diejenigen, die unermüdlich und bis zur Erschöpfung Dienste am Nächsten tun und eigene Befindlichkeiten zurückstellen“, so Arzberger.

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Der KDFB erwartet von der Politik, dass sie die Leistungen der Menschen im Kranken- und Pflegebereich stärker anerkennt, den Weg für faire Löhne und mehr Personal ebnet und Lohnsteigerungen nicht den Pflegebedürftigen aufbürdet. Mit anderen Bündnissen engagiert sich der Frauenbund unter #pflegerebellion dafür, die Systemrelevanz der Pflege voranzutreiben und politisch Verantwortliche für eine menschenfreundliche Gesellschaft in die Pflicht zu nehmen.

„Vor der Bereitschaft tausender Pflegekräfte, den Beruf zu verlassen, warnt sogar der Pflegebeauftragte der Bundesregierung. Doch statt dass Verbesserungen endlich umgesetzt werden, drohen neue Pläne aus dem Hause Spahn, die sogar die Lage der Beschäftigten noch verschlechtern könnten. Beliebige Tarifverträge und ortsübliche Entlohnung sollen für Pflegeeinrichtungen zur Pflicht werden. Doch könnten sie zum Vehikel werden, um die Lohnspirale weiter nach unten zu drücken. Und das, obwohl die Corona-Pandemie die Belastungen in der Pflege noch einmal massiv erhöht hat – in den Krankenhäusern, in der Altenpflege und nicht zuletzt für die Millionen pflegenden Angehörigen. Das Klatschen ist längst verhallt und das große Schweigen ist wieder da. Die Bundesregierung hat nichts dazugelernt“, erklärt Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf den Tag der Pflege am 12. Mai. Zimmermann weiter:

„Die Löhne in den Kliniken spiegeln bei weitem nicht das hohe fachliche Niveau der Pflegekräfte – und in der Altenpflege sind die Entgelte sogar noch geringer. Die Arbeitsbedingungen sind in allen Bereichen der Pflege katastrophal. Druck, Hetze und Personalmangel gefährden die Gesundheit der Beschäftigten und die Sicherheit und das Leben der Patienten und der Menschen mit Pflegebedarf.

Dutzende Pflegekräfte haben mir berichtet, dass sie den Beruf spätestens nach der Pandemie verlassen werden – weil sie einfach nicht mehr können. Über die pflegenden Angehörigen wird nicht einmal gesprochen, und die wenigen Versprechen im Koalitionsvertrag wurden verworfen. Dabei liegen für alle Pflegenden gute Konzepte auf dem Tisch: Entlastungsbudget und Rentenplus für pflegende Angehörige, höhere Löhne, Schließung der Gehaltslücke und verbindliche Personalschlüssel in der beruflichen Pflege. Das alles lässt sich mit der Solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung solide finanzieren. Der Pflegenotstand ist das Resultat falscher Entscheidungen der Bundesregierung.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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