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Teilhabeberatung für Menschen mit Behinderung um zwei Jahre verlängert

Bildbeschreibung: Eine Frau in einem Rollstuhl.
Foto: © Marcus Aurelius

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB®) unterstützt und berät Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sowie deren Angehörige zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe. Seit 2018 bietet die EUTB® niedrigschwellige, barrierefreie, unabhängige und kostenfreie Beratung nach dem so genannten Peer Counseling, also die Beratung von Ratsuchenden mit Behinderungen durch Fachleute mit Behinderungen, an. Nun wurde das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierte Angebot um weitere zwei Jahre verlängert.

Anlässlich der Fortschreibung trafen sich am heutigen Dienstag die rheinland-pfälzische Sozialministerin, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, der Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Matthias Rösch, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Teilhabe­beratungsstellen im Rahmen eines Online-Austauschs, um sich über konkrete Themen und Anliegen aus der Beratungspraxis auszutauschen: „Das Angebot der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung ist ein wichtiger Bestandteil der Beratungslandschaft und ein echter Mehrgewinn für Menschen mit Behinderungen in Rheinland-Pfalz. Das zeigt sich insbesondere in der guten Inanspruchnahme der Beratungsleistung“, so Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Ziel der Landesregierung werde es weiterhin sein, die EUTB® bei der Vernetzung zu unterstützen und eine Verstetigung der entstandenen Beratungsstrukturen auch über das Jahr 2022 hinaus zu erreichen.

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„Dass Menschen mit Behinderungen selbst in der Beratung tätig sind, wirkt als Mutmacher für die ratsuchenden Menschen mit Behinderungen. Dazu kommt die Unabhängigkeit der Beratungsstellen bei den Verbänden der Selbsthilfe und Selbstvertretung, die das Vertrauen in die Beratung steigert. Die Teilhabeberatung ist auch ein wichtiger Hinweisgeber in unserer Politik von und für Menschen mit Behinderungen, welche Probleme noch gelöst werden müssen“, stellt der Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen Matthias Rösch fest.

Die EUTB® übernimmt im Dschungel der Teilhabeleistungen eine Art Lotsenfunktion für Menschen mit Behinderungen: „Wir zeigen auf, welche Leistungen wo beantragt und in Anspruch genommen werden können. Wir beraten als selbst behinderte Expertinnen und Experten Menschen mit Behinderungen auf Augenhöhe und umfassend zu allen Fragen rund um die Themen Teilhabe und Behinderung. Dabei ist es uns wichtig, dass Ratsuchende befähigt werden, selbst aktiv Wege für ein selbstbestimmtes Leben zu finden und zu beschreiten“, erklärt Gerlinde Busch, Leiterin der Teilhabeberatung im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz (ZsL Mainz). Das Angebot sei grundsätzlich unabhängig von Leistungserbringer- und Kosten­trägerinteressen und kostenfrei.

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Cindy Davi aus der EUTB® beim ZSL Bad Kreuznach berichtet aus der täglichen Beratungspraxis, dass die Herausforderungen und der Umgang mit Corona aktuell ein häufig nachgefragtes Thema seien: „Menschen mit Behinderungen wenden sich zum Beispiel an uns, wenn die Tagesstruktur weggebrochen ist, sie berechtigte Sorgen haben, ihre Assistenz und Pflege aufgrund von Corona nicht mehr organisiert zu bekommen oder Fragen haben, wann sie als besonders gefährdete und auf Nähe durch Assistenz- und Pflegekräfte angewiesene Personen geimpft werden. Menschen mit Behinderungen, die mit Unterstützung zuhause oder in einem ambulanten Setting leben, müssten hier unbedingt mit einer hohen Priorität bei der Impfstrategie mitgedacht werden.“

„Corona ist in der persönlichen Assistenz mehr denn je Thema in der Beratung“, bestätigt auch Stefanie Geiser, Beraterin in der EUTB® Rheinhessen beim Trägerverein Rhein-Main inklusiv. „Ich persönlich bin sehr froh, dass ich mein Assistenzteam habe und dass wir bislang alle so gut durch die Pandemie gekommen sind. Damit Menschen mit Assistenz- oder Pflegebedarf außerhalb von Einrichtungen vor möglichen gesundheitlichen Folgen durch Corona geschützt werden, ist es wichtig, ihnen schnellstmöglich eine Impfung zu ermöglichen.“

Neben Corona wird im Beratungsalltag oft zudem das Thema selbstbestimmtes Wohnen nachgefragt: „Wir beraten unabhängig, welche Wohnangebote und auch welche Unterstützungsmöglichkeiten es für Menschen mit Behinderungen gibt. Es fehlt hier aber leider nach wie vor noch oft an barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum im Quartier, also an echten Alternativen zu Wohneinrichtungen, damit ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden möglich ist“, berichtet Cindy Davi aus Bad Kreuznach.

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„Die Beispiele aus der Beratungspraxis zeigen, wie wichtig die EUTB® ist. Ziel muss es daher sein, die aufgebauten Beratungsstrukturen und Netzwerke auf Dauer zu verstetigen und somit Menschen mit Behinderungen in Rheinland-Pfalz unabhängige Anlaufstellen zu bieten. Neben der qualifizierten Beratung auf Peer-Ebene bietet die EUTB® auch eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen mit Behinderungen“, schließt Stephan Heym, Geschäftsführer des ZsL Mainz, die Online-Veranstaltung ab. Es sei wichtig, die Erfahrungen aus der Praxis der Politik zugänglich zu machen und gemeinsam strukturelle Verbesserungen für die Menschen mit Behinderungen zu erzielen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass der Austausch zwischen der Sozialministerin, dem Landesbehindertenbeauftragten und den Beraterinnen und Beratern wichtig und wertvoll für das gemeinsame Interesse einer inklusiver werdenden Gesellschaft ist und fortgesetzt wird.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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