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Inklusion und Barrierefreiheit am Arbeitsplatz: Nachholbedarf an allen Enden

Bildbeschreibung: Ein Mann im Rollstuhl im Buero mit zwei Arbeitskolleginnen.
Foto: © Kampus Production

In den Büros, Werkhallen und Geschäften des Landes arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung immer noch vergleichsweise selten zusammen. Nur rund vier von zehn Deutschen (37 Prozent) haben schon einmal direkt mit einem Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Monster in Zusammenarbeit mit dem Aktivisten und Mitgründer des Sozialhelden e.V. Raul Krauthausen und YouGov*, für die das Online-Karriereportal Ende Juni 2.084 volljährige Deutsche befragte. Bei fast jede:m Zehnten (9 Prozent) war zumindest schon einmal ein:e Kolleg:in mit Behinderung in der Abteilung. Rund die Hälfte (47 Prozent) jedoch ist am Arbeitsplatz noch nie in irgendeiner Weise mit Menschen mit Behinderung in Kontakt gewesen. Bei über einem Drittel der Befragten (34 Prozent) wäre das praktisch bisher auch schwer möglich - so viele gaben an, ihr Arbeitsplatz sei weder räumlich noch digital barrierefrei. Weitere 18 Prozent konnten über die Barrierefreiheit ihres Arbeitsplatzes keine Aussage treffen.

Berührungspunkte fehlen in allen Altersgruppen

Erwartungsgemäß haben junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren mit nur einem Fünftel deutlich seltener schon einmal mit einem Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet als alle anderen Altersgruppen. Vor dem Hintergrund, dass 11 Prozent von ihnen noch gar nicht gearbeitet haben und viele in dieser Lebensphase noch nicht lange im Berufsleben stehen, ist der geringere Anteil nicht verwunderlich. Mit dem Alter steigt dann auch der Anteil derer, die in ihrem Arbeitsleben schon mit Menschen mit Behinderung in Berührung gekommen sind. Bei der Generation 55+ liegt er mit 44 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den 18- bis 24-Jährigen. Die Zahl der Menschen, bei der in der Abteilung schon einmal ein:e Kolleg:in mit Behinderung gearbeitet hat, steigt hingegen mit dem Alter nicht an. Auch sinkt die Zahl derjenigen, die noch keinerlei Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung in ihrem Arbeitsleben hatten, mit dem Alter der Befragten nur unwesentlich von 52 Prozent in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen auf 45 Prozent bei den über 54-Jährigen.

"Die Zahlen zeigen einmal mehr, wie viel es in Sachen Inklusion in der Arbeitswelt noch zu tun gibt", ordnet Raul Krauthausen, Aktivist und Mitgründer des Sozialhelden e.V., die Ergebnisse ein. "Wir erleben tagtäglich noch große Vorurteile und Berührungsängste von Nicht-behinderten Menschen. Kommen Menschen mit und ohne Behinderung nicht miteinander in Berührung, lassen sich die Berührungsängste und Vorurteile in der Gesellschaft und im Arbeitsleben aber nicht abbauen. Dieser Damm muss gebrochen werden, damit Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am sozialen und beruflichen Leben teilhaben können. Das kann aber nur gelingen, wenn Unternehmen auch wirklich bereit sind, sich mit ihren eigenen, oft unbewussten Vorurteilen und Ängsten auseinanderzusetzen, sich mit Menschen mit Behinderung zusammenzutun, um Lösungen zu finden und inklusiver zu werden. Niemand ist von Anfang an perfekt. Aber schon kleine Verbesserungen helfen, beispielsweise beim Bewerbungsprozess. Diesen barrierefrei zu gestalten ist mit vergleichsweise wenig Aufwand verbunden, trägt aber bereits enorm dazu bei, Kontaktpunkte zwischen Unternehmen und Menschen mit Behinderung überhaupt erst herzustellen. Zum Beispiel indem Talenten mit Hörbeeinträchtigung eine Alternative zu Telefoninterviews geboten wird. Von der Bewerbung aus kann dann gemeinsam ausgelotet werden, wie die Reise weitergeht und was im Unternehmen eventuell noch angepasst werden muss, damit die Person die Stelle antreten kann. 'Einfach mal machen' muss die Devise lauten!"

Barrierefrei ist nicht gleich rollstuhlgerecht

Zur Zeit finden Menschen mit Behinderung nur in einem kleinen Teil der Unternehmen hierzulande einen bereits vollständig barrierefreien Arbeitsplatz vor: Ein Viertel (26 Prozent) erfüllt diese Bedingung, weitere 22 Prozent sind teilweise barrierefrei. Offenbar wird "barrierefrei" von Unternehmen zudem wohl vor allem mit räumlicher Barrierefreiheit verknüpft, dass Räumlichkeiten also zum Beispiel rollstuhlgerecht sind. So ist der Anteil der räumlich, aber nicht digital barrierefreien Arbeitsplätze mit 13 Prozent etwas höher als der der digital, aber nicht räumlich barrierefreien (9 Prozent). Digital barrierefrei bedeutet, dass alle Arbeitnehmende, unabhängig von Behinderung oder Beeinträchtigung, das Internet und alle digitalen Anwendungen am Arbeitsplatz uneingeschränkt nutzen können.

Das Bewusstsein steigt

Auffällig ist, dass ältere Menschen über 44 Jahre deutlich häufiger als Jüngere angeben, ihr Arbeitsplatz sei in keiner Hinsicht barrierefrei. Die größte Diskrepanz besteht hier mit 14 Prozentpunkten Unterschied zwischen den 18- bis 24-Jährigen und den über 54-Jährigen. Während jedoch der Unterschied beim Anteil der vollständig barrierefreien Arbeitsplätze zwischen Altersgruppen nur gering ist, klafft hinsichtlich der digital, aber nicht räumlich barrierefreien Arbeitsplätze eine Lücke zwischen den Generationen. 17 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben an, ihr Arbeitsplatz sei so ausgestattet. Bei den über 54-Jährigen sind es nur 6 Prozent.

"Die Diskrepanz in den Aussagen zur digitalen Barrierefreiheit ihrer Arbeitsplätze zwischen jüngeren und älteren Menschen lässt darauf schließen, dass jüngere Menschen ein viel stärkeres Bewusstsein dafür haben, was technisch alles möglich und für Menschen mit Behinderung relevant ist", erklärt Nelly Rey, Senior Director Human Resources bei Monster. "Diese Tendenz stimmt auch mit den Ergebnissen unserer diesjährigen Monster Insights Studie überein. Die hat ergeben, dass den jüngeren Generationen die Diversität, Gleichheit und Inklusion in Unternehmen noch wichtiger ist als zum Beispiel der Baby-Boomer-Generation. Das lässt hoffen, dass der Arbeitsmarkt inklusiver und barrierefreier wird. Unternehmen müssen Faktoren wie digitale Barrierefreiheit schon in ihren Recruitingprozessen mitdenken und verankern. In die Entwicklung und Umsetzung neuer Maßnahmen und Prozesse für mehr Teilhabe, Inklusion und Gleichstellung sollten immer Betroffene miteinbezogen werden. Nur so wird aus Inklusion im Unternehmen mehr als nur ein Schlagwort."

Quelle: Monster

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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