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Der Arbeitsmarkt im Juli 2021 - "Die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich weiter"

Bildbeschreibung: Das Schild von der Bundesagentur für Arbeit.
Foto: © 2021 Bundesagentur für Arbeit
Die Bundesagentur für Arbeit hat heute die aktuellen Zahlen der Arbeitslosenstatistik veröffentlicht. Bei Menschen mit Behinderungen ist die Zahl der Arbeitslosen leicht gesunken. Waren es im Juni 173.105 arbeitslose, so sind es im Juli 172.700 Menschen. Bei der Berufliche Weiterbildung inkl. Förderung behinderter Menschen lag die Zahl im Juni bei 161.746 Menschen und im Juli sind es 149.847 Menschen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zu der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen: „Die Zahlen, die uns aus Nürnberg erreichen, sind sehr erfreulich. Während die Arbeitslosigkeit normalerweise im Juli saisonbedingt steigt, ist die Arbeitslosenquote in diesem Monat auf 5,6 Prozent gesunken. Damit sind aktuell knapp 2,6 Millionen Menschen arbeitslos, was einem Rückgang von rund 24.000 Personen gegenüber dem Vormonat entspricht. Auch die Zahl der Menschen, die derzeit in Kurzarbeit sind, ist im Mai auf insgesamt 2,2 Millionen zurückgegangen. Positiv ist auch der Zuwachs an gemeldeten offenen Stellen auf 744.000. Die Zahlen zeigen: Der Arbeitsmarkt kommt in Schwung und ist wieder aufnahmefähig. Die Daten zeigen aber auch wie wichtig das Instrument der Kurzarbeit war und weiterhin sein wird. Das Kurzarbeitergeld hat Millionen von Arbeitsplätzen gesichert und ist ein Garant für die Stärke des deutschen Arbeitsmarktes.

Neben den guten Nachrichten ist mir vor dem anstehenden Beginn des neuen Ausbildungsjahres eines noch wichtig: Derzeit sind noch viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Daher haben wir im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung den „Sommer der Berufsausbildung“ ins Leben gerufen. Im Rahmen von Aktionswochen informieren die verschiedenen Akteure der Allianz – zu denen auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Bundesagentur für Arbeit gehören – Jugendliche und ihre Eltern über die Möglichkeiten und Perspektiven einer betrieblichen Berufsausbildung. Mir ist wichtig, dass die Betriebe weiter ausbilden und dass junge Menschen ihre Zukunft in einer betrieblichen Berufsausbildung sehen. Denn diese Fachkräfte sind unsere Zukunft.“

Die Bundesagentur für Arbeit teilt dazu mit: „Die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich weiter. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind trotz Beginn der Sommerpause weiter kräftig gesunken. Das Wachstum der Beschäftigung hält an. Und die Unternehmen suchen vermehrt nach neuem Personal.“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.

Arbeitslosenzahl im Juli: -24.000 auf 2.590.000

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: -320.000

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat: -0,1 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent

Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit

Mit den weitgehenden Öffnungsschritten der letzten Monate hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Juli 2021 – anders als sonst in diesem Monat üblich – gegenüber dem Vormonat verringert, und zwar um 24.000 auf 2.590.000. Saisonbereinigt hat sie um 91.000 stark abgenommen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent. Im Vergleich zum Juli des vorigen Jahres ist die Arbeitslosenzahl um 320.000 gesunken. Die Arbeitslosenquote verzeichnet im Vorjahresvergleich ein Minus von 0,7 Prozentpunkten. Die Folgen der Corona-Krise belaufen sich auf ein Plus von 316.000 Arbeitslosen bzw. 0,7 Prozentpunkten bei der Arbeitslosenquote. Diese Werte haben sich aufgrund der Erholung auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zum Höhepunkt im Sommer 2020 inzwischen etwa halbiert. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosenquote lag im Juni bei 3,7 Prozent.

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, lag im Juli bei 3.379.000 Personen. Das waren 294.000 weniger als vor einem Jahr.

Vor Beginn von Kurzarbeit müssen Betriebe eine Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 25. Juli für 75.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt.

Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Mai 2021 zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit in diesem Monat für 2,23 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme geht damit weiter zurück. Im April 2020 hatte sie mit knapp 6 Millionen den Höhepunkt erreicht.

Erwerbstätigkeit und Beschäftigung

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lassen aktuell eine Aufwärtsbewegung erkennen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) im Juni 2021 saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 76.000 gestiegen. Mit 44,84 Millionen Personen fiel sie im Vergleich zum Vorjahr um 162.000 höher aus. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, deren Daten nur bis Mai 2021 reichen und damit die Wirkung der Öffnungsschritte noch nicht vollständig erfassen, nahm in diesem Monat saisonbereinigt um 31.000 zu. Im Vergleich zum Vorjahr ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Mai nach Hochrechnungen der BA um 402.000 auf 33,73 Millionen Beschäftigte gestiegen. Die geringfügig entlohnte Beschäftigung ist immer noch stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist betroffen. Ihre Zahl betrug im Mai 2021 6,99 Millionen.

Arbeitskräftenachfrage

Die Nachfrage nach neuen Personal hat sich im Juli kräftig belebt. So waren 744.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 171.000 mehr als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 41.000 erhöht. Der BA-Stellenindex (BA X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Personal in Deutschland – stieg im Juli 2021 um 7 Punkte auf 121 Punkte. Er liegt damit 29 Punkte über dem Wert des bereits von Corona betroffenen Vorjahresmonat Juli 2020. Der BA-X übertrifft auch den Wert vom März 2020, also dem letzten Berichtsmonat, bevor die Auswirkungen der Pandemiemaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt sichtbar wurden.

Geldleistungen

805.000 Personen erhielten im Juli 2021 Arbeitslosengeld, 303.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Juli bei 3.855.000. Gegenüber Juli 2020 war dies ein Rückgang von 152.000 Personen. 7,1 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.

Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2020 bis Juli 2021 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 404.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das waren 35.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang ist nicht mit einem rückläufigen Interesse von jungen Menschen an der Berufsausbildung gleichzusetzen. Vielmehr unterblieben viele Meldungen, weil die gewohnten Zugangswege beeinträchtigt waren und durch digitale Alternativen nicht vollständig ersetzt werden konnten. 127.000 Bewerberinnen und Bewerber waren im Juli noch unversorgt. Seit Oktober 2020 wurden 485.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 14.000 weniger als vor einem Jahr. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen waren 194.000 im Juli noch unbesetzt. Insgesamt ist eine zunehmende Aufhellung am Ausbildungsmarkt zu spüren. Erfahrungsgemäß ist der Ausbildungsmarkt über die Sommermonate noch stark in Bewegung. Viele Betriebe treffen noch Entscheidungen und zahlreiche junge Menschen finden noch eine Ausbildungsstelle oder weichen auf eine Alternative aus.

„Die Corona-Pandemie hat die Verwerfungen am Arbeitsmarkt weiter verschärft. Die Zahl der Langzeiterwerbslosen liegt bei über einer Million, ihr Anteil an allen Erwerbslosen bei über 40 Prozent. Die dramatische Krise am Arbeitsmarkt hat die Defizite in der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung überdeutlich aufgezeigt. Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld sind für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu niedrig, um davon leben zu können. Dazu kommt ein zu niedriger Mindestlohn, der die Menschen nicht aus der Prekarität herausholt und Altersarmut produzieren wird. Zum Ende der Legislatur steht die Bundesregierung vor einem arbeitsmarktpolitischen Scherbenhaufen als Ergebnis ihrer Untätigkeit. Ein Neustart ist dringend notwendig“, erklärt Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, zum aktuellen Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit. Zimmermann weiter: „Es muss deutlich mehr zur Unterstützung von Erwerbslosen getan werden. Ein echter Rechtsanspruch auf regelmäßige Weiterbildung ist schon lange überfällig. Wir brauchen gute öffentlich geförderte Beschäftigung, um insbesondere langzeiterwerbslosen Menschen eine Perspektive zu geben. Das Arbeitslosengeld muss erhöht und die Bezugsdauer verlängert werden. Ebenso muss auch das Kurzarbeitergeld erhöht und ein Mindestkurzarbeitergeld in Höhe von 1.200 Euro eingeführt werden. Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht.“

Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik vom Bündnis 90/Die Grünen: "Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist positiv und das gibt Hoffnung. Die guten Aussichten dürfen aber nicht über weiterhin steigende Zahlen bei der Langzeitarbeitslosigkeit hinwegtäuschen. Die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt ist vor allem für jene schwieriger geworden, die bereits vor Corona arbeitslos waren. Damit sie nicht weiter abgehängt werden, braucht es qualitativ hochwertige und individuell zugeschnittene Qualifizierungsangebote.

Der Soziale Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Baustein, um Menschen, die lange arbeitslos waren, mehr Teilhabe zu ermöglichen. Es gilt daher, das Instrument auszubauen und zu entfristen. Notwendig ist auch eine flexiblere Ausgestaltung des Zugangs und der Förderdauer – Menschen und ihre Bedürfnisse sind individuell und das muss sich endlich auch in der Arbeitsförderung widerspiegeln. Das bedeutet auch, dass gemeinnützig orientierte Beschäftigungsträger ausreichend finanziert werden müssen.

Eine Weiterentwicklung ist auch mit Blick auf das beschäftigungsbegleitende Coaching geboten. Der Preisdruck in Ausschreibungen muss ein Ende haben und Teilnehmende entsprechend ihres tatsächlichen Bedarfs über den gesamten Förderzeitraum beraten werden. All das würde Arbeitslosen, Jobcentern und Arbeitgeber:innen mehr Sicherheit und damit einen dauerhaften Gewinn bieten."

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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