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Was Teilhabe bedeutet und das Scheitern in Deutschland

Bildbeschreibung: Person im Rollstuhl

Eine am Montag im Reichstag stattfindende Anhörung und die damit pulsierende Stimmung im Anhörungssaal, ist Anlass sich doch noch einmal mit dem Thema der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Sinne der Umsetzung, zu befassen. Wie heißt es in der UN-BRK so schön: „Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind: die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft“. Schön geschrieben und eigentlich klar. Menschen mit Behinderung sind mit allen anderen Menschen gleich. Ein Grundsatz, der eigentlich auch im Grundgesetz wieder zu finden ist: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Real stellt sich das für viele Menschen anders da. Gesellschaftlich scheint zwar die Integration weitestgehend gelungen zu sein, aber eben nur da, denn es gibt viele Institutionen, wo dieser Grundsatz offensichtlich noch nicht angekommen ist.

Schulen: In den Schulen sollen Kinder mit Behinderung, voll integriert und nicht mehr auf Sonderschulen abgeschoben werden. Vielerorts ist das bereits gelungen, sieht man den äußeren Schein, der dann doch trügt. Das behinderte Kind findet sich in einer Schule wieder, auf die alle Kinder gehen, also keine Sonderschule. Das was aber hinter dem Schultor passiert, findet in der Öffentlichkeit oft kein Gehör. Die Kinder mit Behinderung werden exkludiert und teils in einigen Fächern aus dem inklusiven Schulunterricht herausgenommen um dann doch wieder „gesondert“ lernen zu dürfen. Klar, im Rahmen des individuellen Lernens könnte man das als Maßnahme erklären, die eben halt erforderlich ist. Aber ob das im Sinne der UN-BRK ist?

Digitale Medien: Hier ist das Ausgrenzungspotential noch viel höher. Das zeigte uns auch am Montag die Anhörung im Reichstag, bei der es um das Bundesteilhabergesetz ging. Dementsprechend waren auch Verbände in der Anhörung, bei denen Menschen mit Behinderung arbeiten. Barrierefreies Material, zur Vorbereitung und Stellungnahme, gab es nicht. Auch im Internet selbst ist das zu erleben. Zwar sollen alle Internetseiten von Verwaltung und Behörden barrierefrei sein, in der Praxis trifft das aber häufig nicht zu. Bei Privatunternehmen kommt dann noch der Kostenfaktor hinzu, denn gerade Klein- und Mittelstandsunternehmen haben oft nicht die finanziellen Möglichkeiten, barrierefreie Internetseiten zu gestalten. Unterstützung vom Staat: Fehlanzeige.

Verwaltung und Behörden: Ja, hier ist Inklusion vollständig umgesetzt, denn der Mensch mit Behinderung wird dort genauso behandelt, wie Menschen ohne Behinderung. Das aber gerade Menschen mit Behinderung, eine individuelle Sachbearbeitung benötigen, diese aber oftmals nicht einmal geschult sind, zeigt sich immer wieder. Ein Beispiel ist der Bezirk Oberbayern. „Bitte reichen sie alle Quittungen im Original ein“ – leichter gesagt, als getan, für Personen, die entsprechende Mobilitätseinschränkungen haben. Da reicht das Fax nicht, um Belege einzureichen. Auf unsere Anfrage hin, wie es mit dem §65 SGB I aussieht, bekamen wir die Antwort „Was steht da drin?“ Dabei beschreibt der §65 SGB I die Grenzen der Mitwirkungspflicht und könnte für viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zum tragen kommen. Aber welches Amt will schon die Antragsteller/In für Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch, zu Hause besuchen. Es scheint also so zu sein, das die Individualität, die gerade bei Menschen mit Behinderung erforderlich ist, bei vielen Behörden nicht angekommen ist, denn Oberbayern ist dabei nur ein Beispiel.

Gesellschaft: In der Gesellschaft hat man schon den Eindruck, dass Behinderung kein Thema mehr ist und die Menschen dort auch entsprechend anerkannt sind. Aber auch dort ist es nicht immer der Fall. So ist uns ein Ereignis aus einem Einkaufszentrum in Berlin bekannt, bei dem jemandem trotz Euroschlüssel, nicht geglaubt wurde, dass dieser behindert ist. Klar hatte die Person keine sichtbare Mobilitätseinschränkung, aber man sollte eigentlich glauben, dass der Euroschlüssel (Toilettenschlüssel) immer ein Indiz dafür ist, dass es sich um die Person um einen Menschen mit Behinderung handelt. Schließlich ist der Euroschlüssel nicht im Supermarkt erhältlich, sondern es bedarf bestimmte Merkzeichen und Grad der Behinderung, bevor dieser überhaupt erworben werden kann.

Regierung: Das ist ein besonderes Thema. Denkt die Regierung an die UN-BRK, denkt die Regierung offensichtlich immer an das Bundesteilhabegesetz und sieht mit diesem die UN-BRK als umgesetzt. In der Anhörung sprach man sogar davon, dass sogar Menschen mit voller Erwerbsminderung, ja irgendwie in die Berufswelt integriert werden müssen. Klar, für einige ist das ein schönes Gefühl, trotzdem noch arbeiten zu können. Andere können aber definitiv nicht arbeiten, sondern versuchen sich im Ehrenamt oder in ihrem Hobby noch irgendwie zu beschäftigen. Das man auch hier einmal darüber nachdenken sollte, wie diese Menschen mehr integriert werden können, Förderungen für Hobby und Ehrenamt erhalten, scheint kein Thema zu sein. Dabei ist es gerade das Ehrenamt, was vielen Menschen mit Behinderung noch einen Lichtblick gibt. Wenn diese Menschen dann aber auch noch, wie es leider sehr häufig der Fall ist, von Grundsicherung abhängig sind, wird die Ausübung des Ehrenamtes fast unmöglich.

Existenzsicherung:  Vermutlich eines der brisantesten Themen. Da gibt es Punkte wie Grundsicherung, aber auch die Entlohnung für Menschen in Werkstätten. Gerade die Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben ein Entlohnungssystem, welches zu hinterfragen ist. Mit um die 160 – 200€ monatlich werden dort Menschen entlohnt, die genauso ihre 8 Stunden am Tag arbeiten und das nicht selten im gleichen Qualitäts- und Produktivitäts- Standard wie gesunde Menschen. Die Werkstattbetreiber werden jetzt sagen: „Wo soll das Geld herkommen“. Keiner stellt sich aber die Frage, warum überhaupt die Frage nach dem Geld gestellt werden muss. Warum die Werkstattbetreiber so geringe Gehälter zahlen müssen und warum Menschen mit Behinderung in Werkstätten immer noch nicht als vollwertige Arbeitnehmer/In angesehen werden, denn war da nicht dieser Satz im Grundgesetz, der Menschen mit Behinderung gleichstellt? Bei der Grundsicherung sieht es ähnlich aus. Zwar gibt es die Mehrbedarfsregelung, die dann mal irgendwann greift, aber das Menschen mit Behinderung oft noch viel mehr bedürfen, als wie der Mehrbedarf hergibt, das scheint niemanden zu interessieren. Selbst sogenannte „Mobilitätshilfe“ ist nicht einmal bundesweit zu erhalten, sondern Ländersache. Aber auch andere Mehrbedarfe, wie unterstützende Technik zur Teilhabe an der Gesellschaft und dem politischem Leben, sind Dinge, die keine Berücksichtigung finden.

Menschen mit Behinderung ist es also bis heute nicht unbedingt leichter gemacht worden. Zwar gibt es mehr Möglichkeiten, wie das persönlich Budget, oder die persönliche Assistenz, aber solche Leistungen zu erhalten, heißt auch wieder neue Hürden zu überwinden, was viele Menschen mit Behinderung überhaupt davon abschreckt, solche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dabei wäre es für die Länder ein leichtes, hier proaktiv etwas zu tun. Wer behindert ist, der ist bei den entsprechenden Versorgungsämtern, Krankenkassen auch als solcher bekannt. Also kann man mit diesen Informationen proaktiv diesen Menschen die ihn zustehenden Leistungen zukommen lassen, doch man tut es nicht. Am Ende stehen die Menschen mit Behinderung also alleine da und müssen weiterhin um das kämpfen, was eigentlich vor 10 Jahren geregelt wurde. Ein Journalist meinte neulich: „Was will man von einem Land erwarten, was nach 30 Jahren Grenzöffnung, nicht einmal die eigene Bevölkerung integrieren konnte?“

 

Sodbrennen: Verdauungsspaziergänge helfen

Bildinhalt: Eine paar geht draußen spazieren.

Gegen Sodbrennen werden oft Magensäureblocker verordnet. "Solche Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder -hemmer sind für die dauerhafte Einnahme gedacht. Da dies mit einigen Risiken behaftet ist, wie Studien belegen, sollten PPI keinesfalls 'routinemäßig' geschluckt werden", betont Allgemeinmediziner Dr. Axel Budahn aus Bremerhaven im Patientenmagazin "HausArzt". Eine Alternative sei Alginat, ein Wirkstoff aus Blaualgen. Er "schwimme" auf dem Magensaft und hemme dessen Aufsteigen in die Speiseröhre.

Auch säurebindende Mittel (Antazida), die es ohne Rezept in der Apotheke gibt, können helfen. "Weitere Tipps: Lagern Sie den Oberkörper beim Schlafen höher. Nehmen Sie über den Tag mehrere kleine Mahlzeiten zu sich statt wenige große", rät Budahn. Nach dem Essen ein Glas Wasser zu trinken, neutralisiere einen Teil der Magensäure. "Machen Sie öfter einen kurzen Verdauungsspaziergang. So gelangt die Nahrung besser vom Magen in den Darm." 

Sodbrennen gilt als Symptom der sogenannten Reflux-Krankheit. "Beschwerden entstehen, weil Magensaft in die Speiseröhre steigt." Das passiert laut Budahn, wenn der Schließmuskel zwischen Mageneingang und Speiseröhre, der Pförtner, nicht richtig funktioniert. Um schweren Verläufen vorzubeugen, sollten schon die ersten Anzeichen ärztlich abgeklärt werden. "Dazu empfiehlt sich meist eine Magenspiegelung."

Quelle: Das Patientenmagazin "HausArzt"

DEKV: MDK-Reformgesetz muss Entlassmanagement stärken

Bildinhalt: Eine ältere Dame läuft mit einer jüngeren Dame den Krankenhausflur entlang.

Das geplante Gesetz für bessere und unabhängigere Prüfungen (MDK-Reformgesetz) soll die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherungen (MDK) und der Krankenkassen reformieren. Anlässlich der Expertenanhörung und Beratung des Gesetzentwurfs im Ausschuss für Gesundheit am 14. Oktober 2019 fordert der Deutsche Evangelische Krankenhausverband eine Stärkung des Entlassmanagements im MDK-Reformgesetz, um die Versorgung vulnerabler Patientengruppen zu verbessern und wertvolle Ressourcen bei Medizinischem Dienst, Krankenkassen und Krankenhäusern zu sparen.

Fehlende nachstationäre Angebote belasten die Krankenhäuser

"Rund 22 Prozent der MDK-Prüfungen erfolgen aufgrund einer Überschreitung der oberen Grenzverweildauer.1 Wir haben uns diese Fälle in den evangelischen Krankenhäusern genau angesehen: Zwar ist die medizinische Versorgung der Patienten abgeschlossen, aber eine Entlassung aus dem Krankenhaus ist in vielen Fällen aus ethischer Sicht nicht vertretbar. Dies betrifft insbesondere besonders schutzbedürftige Patientinnen und Patienten. Typische Beispiele sind alte, multimorbide Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihres Pflegebedarfs nicht in ihr Zuhause zurückkehren können. Eine nahtlose Überleitung in eine Kurzzeitpflege, eine Wohngruppe, ein Pflegeheim oder - bei nicht heilbaren, lebensbedrohenden Erkrankungen - in ein Hospiz ist aufgrund mangelnder Kapazitäten oft nicht möglich. Daher bleiben die Betroffenen in stationärer Behandlung, bis ein passender Betreuungsplatz gefunden ist. Doch nicht nur ältere, mehrfach schwer erkrankte Menschen sind betroffen, sondern auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht in ihre Wohngruppen zurückkehren können. Das finanzielle Risiko für den verlängerten Krankenhausaufenthalt und eine verantwortungsbewusste Betreuung dieser vulnerablen Patientengruppen tragen die Krankenhäuser. Somit gehen fehlende Kapazitäten im nachstationären Bereich und eine erschwerte Sektor-übergreifende Zusammenarbeit allein zu Lasten der Krankenhäuser, da sie die entstehenden Kosten nicht vergütet bekommen. Die geplante Einführung von Prüfquoten und Aufschlägen wird dieses Risiko verstärken", verdeutlicht Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV). 

Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen beim Entlassmanagement stärken

Der Rahmenvertrag über ein Entlassmanagement nach § 39 Absatz 1a Satz 9 SGB V beim Übergang in die Versorgung nach der Krankenhausbehandlung hat das Ziel, die bedarfsgerechte, kontinuierliche Versorgung der Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung zu gewährleisten. Zugleich regelt er den Anspruch der Patientinnen und Patienten auf ein Entlassmanagement durch das Krankenhaus und die Unterstützung dieser Maßnahmen durch die Krankenkasse. Laut §10, Absatz 1 ist es Aufgabe der Krankenkasse, gemeinsam mit dem Krankenhaus rechtzeitig vor der Entlassung des Patienten die für die Umsetzung des Entlassplans erforderliche Versorgung zu organisieren, etwa die notwendigen Leistungserbringer zu kontaktieren und für deren zeitgerechten Einsatz zu sorgen.

"Daher fordert der DEKV den Artikel 1, Nummer 23 § 275c Absatz 3 im MDK-Reformgesetz dahingehend anzupassen, dass eine Rechnungskürzung, die sich auf die obere Grenzverweildauer bezieht, nicht erfolgen darf, wenn die verlängerte stationäre Verweildauer darin begründet ist, dass eine Überleitung in eine notwendige Versorgung trotz Unterstützung der Kranken- und Pflegekassen nicht möglich ist. Diese Änderung im MDK-Reformgesetz führt aus unserer Sicht zu einer dringend notwendigen engeren Zusammenarbeit von Kranken- und Pflegekassen mit dem Entlassmanagement in den Krankenhäusern. Diese Stärkung des Entlassmanagements betont die gemeinsame Verantwortung für die Patientinnen und Patienten, verbessert deren Versorgung und schont die Behandlungsressourcen in den Krankenhäusern", so Radbruch.

Quelle: DEKV

Krankenkassen kritisieren geplante MDK Reform

Bindbeschreibung: Krankenkasse in einem Portmonnaie.

Die geplante Neuorganisation der Medizinischen Dienste der Krankenversicherungen (MDK) wird von den Krankenkassen heftig kritisiert. Nach Ansicht des AOK-Bundesverbandes beinhaltet der Entwurf für das MDK-Reformgesetz (19/13397) einige inakzeptable Regelungen. Die Vorlage stelle mit ihren organisationsrechtlichen Änderungen zudem "ein vollkommen unbegründetes Misstrauensvotum gegen die Kranken- und Pflegekassen und ihre Selbstverwaltung dar", erklärte der Verband anlässlich einer Expertenanhörung des Gesundheitsausschusses zu dem Gesetzentwurf am Montag in Berlin. Vertreter der Ärzte und Krankenhäuser lobten hingegen die geplanten Änderungen. Die Gesundheitsexperten äußerten sich in der Anhörung sowie in schriftlichen Stellungnahmen.

Der Gesetzentwurf sieht eine Abkopplung des MDK von den Krankenkassen vor. Bisher sind die MDK als Arbeitsgemeinschaften der Krankenkassen organisiert. Künftig sollen sie eine eigenständige Körperschaft bilden und Medizinischer Dienst (MD) heißen. Auch der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (MDS) wird vom Verband abgelöst. In die neugebildeten Verwaltungsräte der Medizinischen Dienste sollen Vertreter von Patienten, Pflegebedürftigen, Verbrauchern, Ärzten und Pflegeberufen entsandt werden.

Der MDK befasst sich unter anderem mit der Pflegebegutachtung und entscheidet über die Pflegebedürftigkeit. MDK-Fachleute prüfen außerdem die Qualitätsstandards in Pflegeeinrichtungen. Im Auftrag der Krankenkassen prüft der MDK auch die Krankenhausabrechnungen in ausgewählten Fällen. Der MDK unterstützt zudem Patienten bei Verdacht auf Behandlungsfehler. Die 15 MDK in den Ländern und der MDS bilden gemeinsam die MDK-Gemeinschaft.

Das Gesetz soll auch dazu beitragen, die Streitigkeiten zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern über Abrechnungen der Kliniken einzugrenzen. Der Entwurf sieht dazu mehr Transparenz bei den Abrechnungen der Krankenhäuser vor. So soll die Abrechnungsqualität einer Klinik den Umfang der zulässigen Prüfungen durch die Krankenkassen bestimmen. Ab 2020 soll eine maximale Prüfquote je Krankenhaus festgelegt werden. Bei einer schlechten Abrechnungsqualität muss eine Klinik mit finanziellen Konsequenzen rechnen. Der Schlichtungsausschuss auf Bundesebene soll Konflikte zwischen Kassen und Kliniken schneller lösen. Künftig soll außerdem die Aufrechnung mit Rückforderungen der Krankenkassen gegen Vergütungsansprüche der Krankenhäuser nicht mehr zulässig sein.

Der AOK-Bundesverband warnte, mit der Reform werde die Vertretung der Beitragszahler im Verwaltungsrat des geplanten Medizinischen Dienstes (MD) erheblich geschwächt. Um einen Verlust an Wissen und Erfahrung für die Arbeit im Verwaltungsrat zu vermeiden, sei es unabdingbar, dass Vertreter der sozialen Selbstverwaltung in der Krankenkasse gleichzeitig eine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat des MD innehaben könnten. Angesichts der Funktion der Krankenkassen als Auftraggeber und Finanzierer des MD bedürfe es einer organisatorischen Anbindung.

Als nicht sachgerecht bewertete der AOK-Verband die geplanten Änderungen bei der Prüfung von Krankenhausabrechnungen. Es könne nicht Sinn der Reform sein, einen Großteil der fehlerhaften Abrechnungen gar nicht mehr in die Prüfung einzubeziehen. Das hieße letztlich, Krankenhäuser zu einem strategischen Abrechnungsmanagement aufzufordern. Das neue Modell werde die Zahl der Rechtsstreitigkeiten deutlich erhöhen.

Grundsätzliche Kritik an dem Reformvorhaben kam auch vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der vor weitreichenden negativen Folgen für die Selbstverwaltung der Krankenkassen und die Funktionsfähigkeit des Medizinischen Dienstes warnte. Die faktische Ausschaltung der sozialen Selbstverwaltung im MDK werde abgelehnt. Die Unvereinbarkeitsregelung bei der Besetzung der Verwaltungsräte müsse in jedem Fall gestrichen werden.

Der Spitzenverband rügte auch die geplante Neuordnung der Abrechnungsprüfungen. Jede zweite geprüfte Krankenhausrechnung sei fehlerhaft. In der Folge hätten Krankenhäuser 2017 rund 2,8 Milliarden Euro an die Krankenkassen zurückzahlen müssen. Die geplante Reform berge die Gefahr drastischer Mehrausgaben und strategischer Fehlanreize. Eine maximale Prüfquote von zehn Prozent pro Krankenhaus statt der im Schnitt 17,1 Prozent für das Jahr 2017 sei viel zu gering. 2020 sei in der Folge mit Mehrausgaben von mindestens 1,2 Milliarden Euro zu rechnen. Der Verband forderte die Streichung der maximal zulässigen Prüfquote.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hielt den Krankenkassen im Gegenzug vor, die Rechnungsprüfungen als Geschäftsmodell zu nutzen. Der Gesetzentwurf stelle einen beachtlichen Schritt in die richtige Richtung dar, da er elementare Probleme des MDK-Prüfverfahrens identifiziere. Das Prüfsystem sei außer Kontrolle geraten und geprägt von einer überzogenen Misstrauenskultur, beklagte die DKG. Die MDK-Prüfungen führten bei den Kliniken zu einem stetig steigenden und nicht vertretbaren Aufwand, zu erheblichen Liquiditätsverlusten und langwierigen Rechtsstreitigkeiten. MDK-Prüfungen würden von den Kassen nicht verdachts-, sondern potenzialbezogen veranlasst und seien inzwischen ein Wettbewerbsfaktor für die Krankenkassen.

Pflege im Umbruch - bleibt die Qualität auf der Strecke?

Bildinhalt: Ein ältere Frau und ein ältere Mann die draußen zusammen spazieren gehen.

Das Thema Pflegequalität ist hochaktuell: Anfang Oktober startete beispielsweise ein neues Verfahren zur Qualitätssicherung und -darstellung für Pflegeheime, im kommenden Jahr sollen die ambulanten Dienste folgen. Die Überarbeitung war notwendig geworden, weil der bisherige sogenannte Pflege-TÜV zu keinen aussagekräftigen Ergebnissen geführt hatte. Bereits vor der Umsetzung des neuen Verfahrens gab es jedoch Kritik von Branchenvertretern, die das Ziel einer besseren Qualitätssicherung und verlässlicheren Ergebnissen in Frage stellen.

DGQ-Brennpunkt: Pflegequalität auf dem Prüfstand

Pflege hat viele Facetten und ist nicht auf das Leben im Alter beschränkt. Auch in Reha-Einrichtungen, in Krankenhäusern, in der Kinderkrankenpflege geht es um Kundenanforderungen. Um der hohen Bedeutung des Themas Pflegequalität gerecht zu werden und auch um der Debatte neue Impulse zu geben, richtet die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) am 3. Dezember 2019 in Berlin einen DGQ-Brennpunkt aus. Die Veranstaltung versammelt Interessierte und Branchenexperten, die die Leitfrage "Pflege im Umbruch - bleibt die Qualität auf der Strecke?" in Vorträgen und Workshops aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten werden. Zu den Rednern gehört unter anderem Prof. Dr. Klaus Wingenfeld, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW). Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit hat er das neue Verfahren zur Qualitätsdarstellung (Pflege-TÜV) in der Langzeitpflege maßgeblich mitgestaltet. Weitere Vorträge berücksichtigen den Krankenhausbereich, den Technikeinsatz sowie die Sicht der Angehörigen und Pflegekunden auf die Pflegequalität. Die Veranstaltung richtet sich an Entscheider und Qualitätsverantwortliche aus der Pflege- und Gesundheitswirtschaft und Interessenvertreter im Bereich Soziale Dienste, Pflege und Leben im Alter. Die Teilnehmer erhalten einen aktuellen Überblick zur Entwicklung der Qualität in der Pflege und die Gelegenheit zum kritischen Expertenaustausch.

"Das Thema 'Pflegequalität' wird kontrovers diskutiert. Als zentrale deutsche Qualitätsgesellschaft möchten wir mit dem DGQ-Brennpunkt die integrierte Sicht auf Qualität in die Debatte einbringen. Das bedeutet, sowohl die Perspektive effizienter Prozesse und hochwertiger Services als auch die Anforderungen der Kunden, das heißt der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen, zu berücksichtigen", erklärt Claudia Welker, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGQ. "Nur, wenn man diese Blickwinkel zusammenbringt, kann wirkliche Qualität in der Pflege entstehen. Es geht dabei auch um Lebensqualität und wie es gelingt, die am Pflegeprozess beteiligten Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Wir ergreifen keine Partei, sondern bieten allen Interessengruppen mit dem DGQ-Brennpunkt eine unabhängige und neutrale Plattform, um sich zu diesem wichtigen Thema auszutauschen." 

Gesundheit und Pflege sind thematischer Schwerpunkt der DGQ

Als zentrale deutsche Qualitätsgesellschaft besetzt die Deutsche Gesellschaft für Qualität neben ihren fachlichen Schwerpunkten Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung auch gesellschaftsrelevante Themen, die einen Qualitätsbezug aufweisen. Die DGQ definiert "Gesundheit und Pflege" als eines ihrer Fokusthemen. Sie konzentriert sich dabei auf Bereiche, in denen aufgrund ihrer großen Bedeutung für die breite Öffentlichkeit die integrierte Sichtweise auf Qualität geschärft werden muss. Im vergangenen Jahr hat die DGQ in einer repräsentativen Studie die Verbraucher nach ihrer Einschätzung zu den Themen "Pflegequalität in Deutschland" (http://ots.de/TMQCKt) und "Pflege-TÜV" (http://ots.de/lLgqr8) befragt. Der DGQ-Brennpunkt bietet jetzt eine unabhängige Plattform für einen kritischen Expertenaustausch. Er ist zugleich Auftakt für weitere Aktivitäten, mit denen die DGQ den Zukunftstrend "Gesundheit und Pflege" langfristig begleiten wird.

Interessierte können sich hier zum DGQ-Brennpunkt anmelden: http://ots.de/47hWp0

Über die DGQ Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) unterstützt Unternehmen dabei, mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich am Markt zu bestehen. Als zentrale, deutsche Qualitätsgesellschaft ist die DGQ erster Ansprechpartner für Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Das einzigartige Netzwerk der DGQ vereint über 6.000 Qualitätsexperten in mehr als 4.000 Unternehmen aller Größen und Branchen. Berufseinsteiger, Fachexperten und Manager nutzen den direkten Erfahrungsaustausch in deutschlandweit über 70 Regional- und Fachkreisen. Das DGQ-Netzwerk bietet die vielseitigste und umfassendste Plattform zum Austausch von Wissen, Praxiserfahrungen und Trends rund um qualitätsrelevante Themen. Die DGQ engagiert sich in nationalen und internationalen Initiativen, Partnerschaften, Gremien zur Gestaltung zentraler Normen sowie Innovations- und Forschungsprojekten. Mit rund 300 Trainern und 1.000 praxisbezogenen Trainings stellt die DGQ ein breites Weiterbildungsangebot zur Verfügung und erteilt im Markt anerkannte Personenzertifikate. Sie trägt wirkungsvoll dazu bei, "Qualität Made in Germany" als Erfolgsprinzip in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern. Dabei sichert die DGQ bestehendes Know-how. In einer Welt der Transformation entwickelt sie zudem neue Qualitätsansätze für die Zukunft.

Quelle: DGQ

Psychische und seelische Behinderung

Bildinhalt: Ein ältere Mann der auf einer Bank sitzt, man sieht ihn nur von hinten.

In den Medien wird das Thema Behinderung meist plakativ und gut sichtbar dargestellt – etwa, wenn jemand im Rollstuhl sitzt oder einen Blindenlangstock verwendet. Körperliche, nach außen hin klar erkennbare Einschränkungen halten oft her als Symbol für das Thema „Behinderung“. Aber wie sieht es eigentlich mit seelischen oder psychischen Behinderungen aus?

Ein gängiges Vorurteil: Jemand hat eine schwerwiegende Behinderung und das Umfeld sagt wenig verständnisvoll „Das sieht man dir aber gar nicht an!“. Sehr viele Einschränkungen und Erkrankungen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar, beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Tumorerkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinsuffizienz. Auch psychische und seelische Erkrankungen sind für Außenstehende meist „unsichtbar“.

Was viele nicht wissen: Auch Menschen mit psychischen und seelischen Beeinträchtigungen haben die Möglichkeit, den Grad der Behinderung (GdB) feststellen zu lassen und entsprechende Nachteilsausgleiche zu erhalten.

Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Sie sind nicht sichtbar, aber weit verbreitet: Psychische und seelische Erkrankungen nehmen in Deutschland zu. So steigt beispielweise über die Jahre die Anzahl der Menschen, die sich wegen einer Depression stationär behandeln lassen. Ebenso steigen laut Statistik die Krankheitskosten durch psychische Erkrankungen immer weiter: In 2015 verursachten psychische und Verhaltensstörungen 44,4 Milliarden Euro Kosten pro Jahr – damit nehmen sie einen traurigen zweiten Platz nach den Herz- und Kreislauferkrankungen ein. Alarmierend: Etwa 75.000 Menschen müssen jährlich wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen. Im Jahr 2016 waren psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für die Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente.

Seelische und psychische Erkrankung als Ursache von Behinderung

Laut Gesetz können neben körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen auch psychische und seelische Einschränkungen eine Behinderung darstellen. Im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) heißt es dazu:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. (...)“

In Deutschland leben laut Statistik mehr als zehn Millionen Menschen mit einer Behinderung, darunter rund 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen. Als schwerbehindert gilt, wer einen anerkannten Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr hat. Ab einem GdB von 50 kann man einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem GdB von mindestens 30 können unter Umständen schwerbehinderten Menschen gleichgestellt sein.

Wie wird eine psychische oder seelische Behinderung festgestellt?

Nicht jede psychische Erkrankung zieht eine Behinderung nach sich. Doch psychische und seelische Erkrankungen können für die Betroffenen gravierende Auswirkungen auf den Lebensalltag haben, zum Beispiel wenn es ihnen nicht mehr möglich ist, zur Arbeit zu gehen, Kontakte zu pflegen oder sich selbst zu versorgen. Motivation, Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit und Sozialverhalten können stark eingeschränkt sein.

Zur Beurteilung der Schwere einer Behinderung wird der sogenannte Grad der Behinderung (GdB) herangezogen. Grundlage für die Feststellung des GdB ist die Versorgungs-Medizinverordnung (VersMedV). Sie listet Erkrankungen und Einschränkungen auf und gibt einen Anhaltspunkt, welcher GdB für welche Einschränkung geltend gemacht werden kann. Da bei der Beurteilung jeweils die Auswirkung einer Beeinträchtigung individuell eingeschätzt wird, sind die darin genannten GdB zunächst nur Anhaltswerte. Liegen mehrere Beeinträchtigungen vor, wird ein Gesamt-GdB ermittelt. 

In der Versorgungsmedizin-Verordnung sind in Teil B unter 3. „Nervensystem und Psyche“ unter anderem Psychosen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Folgen psychischer Traumata aufgeführt, die beispielsweise Angstzustände und Phobien, Zwangsstörungen, Depressionen und soziale Anpassungsschwierigkeiten mit sich bringen können. Auch Suchtkrankheiten wie Drogen- oder Alkoholabhängigkeit und deren Auswirkungen können eine Behinderung nach sich ziehen.

Die Bewertung einer psychischen Einschränkung ist, da es sich um sehr individuelle Fälle und Leidensgeschichten handelt, nicht einfach und für die Betroffenen in der Praxis nicht immer nachvollziehbar. Die Auswirkungen und Störungen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt, können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Für die Beurteilung des GdB werden immer die Auswirkungen einer Beeinträchtigung auf die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft betrachtet.

Psychische Erkrankung: Wie kann ich einen Grad der Behinderung beantragen?

Psychische oder seelische Erkrankungen können unter Umständen als Schwerbehinderung anerkannt werden. Zunächst stellt der oder die Betroffene einen Antrag auf Feststellung des Grades der Behinderung. Dies geschieht bei der Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt. Zur Beurteilung der Beeinträchtigung wird in der Regel ein psychiatrisches Gutachten herangezogen. Der Sozialverband VdK berät seine Mitglieder ausführlich rund um das Thema Grad der Behinderung, hilft bei der Antragstellung und, falls nötig, auch beim Einlegen eines Widerspruchs gegen den Bescheid.

Liegt eine psychische Behinderung vor, kann es verschiedene Hilfen und Schritte zur Unterstützung geben, beispielsweise im Arbeitsleben in Form von präventiven Maßnahmen, Betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM), Therapie, stufenweiser Wiedereingliederung, Änderungen in der Arbeitsorganisation, Unterstützter Beschäftigung (UB) und anderes mehr. Die Datenbank REHADAT bietet dazu einige Fallbeispiele: Psychische Behinderung und Behinderung durch Sucht.

Quelle: VdK

DEKV: Hospizarbeit ist mehr als Begleitung am Lebensende

Bildinhalt: Eine Hand liegt von einer Person auf der anderen.

In einer älter werdenden Gesellschaft gewinnt nicht nur die Frage nach der Betreuung im Krankheitsfall an Bedeutung, sondern auch die Gestaltung der letzten Lebensphase. Dabei sind sich mehr als drei Viertel der Bevölkerung einig, dass sie am liebsten zu Hause sterben möchten. Die Realität sieht jedoch meist anders aus: 77 Prozent der Menschen in Deutschland sterben im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim. Die Begleitung der letzten Lebensphase im Hospiz wünschen sich 10 Prozent.1 Wie diese Palliativbetreuung aussieht, hängt von der Situation der betreuten Person und ihrem Gesundheitszustand ab: In Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten und Pflegediensten bringen spezialisierte ambulante Palliativangebote, Palliativdienste im Krankenhaus sowie Palliativstationen und Hospize ihre Kompetenzen ein. In Deutschland gibt es aktuell rund 250 stationäre Hospize. Die 230 stationären Hospize für Erwachsene verfügen über etwa 2.300 Betten und betreuen pro Jahr rund 30.000 Patienten.2 Der Welthospiztag am 12. Oktober macht auf diese wichtige Leistung aufmerksam. "Evangelische Einrichtungen leisten hier einen deutlichen Beitrag: Mit 67 stationären Hospizen waren mehr als ein Viertel der Einrichtungen im Jahr 2015 in evangelischer Trägerschaft", erklärt Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV).

Palliativbetreuung sieht den ganzen Menschen

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 1,5 Prozent der Bevölkerung, also 1,2 Millionen Menschen, eine Palliativbetreuung benötigen.3 Dabei umfasst dieser Begriff nicht nur die Begleitung in den letzten Lebenstagen, sondern die Betreuung von Menschen, die von nicht heilbaren, lebensbedrohenden Erkrankungen betroffen sind und interdisziplinäre medizinische, psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung benötigen. Darüber hinaus bezieht diese Form der Betreuung die An- und Zugehörigen mit ein und bietet auch ihnen umfassende Unterstützung. 

"Um einen modernen und umfassenden Ansatz der Palliativ- und Hospizbetreuung mit Leben zu füllen, bietet die Diakonische Versorgungskette optimale Voraussetzungen: In unseren Krankenhäusern werden Patientinnen und Patienten mit einer lebensbegrenzenden Diagnose wie Krebs, fortgeschrittenen Lungen- sowie Herzerkrankungen oder Demenz behandelt. Die Vernetzung unserer Häuser über die Sektorengrenze hinaus ermöglicht es oftmals, diese Patienten in für sie passende ambulante und stationäre Betreuungsformen zu vermitteln.

Dabei ist es unseren Mitarbeitenden wichtig, nicht nur die gesundheitliche Situation des Betroffenen umfassend zu berücksichtigen, sondern den ganzen Menschen zu sehen: Welche Gedanken bewegen ihn? Wie sieht er seine Zukunft und welche Wünsche, aber auch Ängste und Sorgen hat er? Wie sollen nahe stehende Personen in die Betreuung einbezogen werden? Ziel der Palliativ- und Hospizversorgung ist eine gute Lebensqualität der Patientinnen und Patienten sowie ihrer An- und Zugehörigen. Um dies zu erreichen, muss die Betreuung früher einsetzen als heute meist üblich und zu einer selbstbestimmten Gestaltung der verbleibenden Lebenszeit umfassend beitragen.

Studien zeigen, dass Menschen in dieser Lebensphase nicht nur eine gute Schmerz- und Symptomkontrolle wünschen, sondern auch Unterstützung und Entlastung für ihre An- und Zugehörigen. Von den Pflegenden wird eine Haltung erwartet, die die Prioritäten des Betroffenen erfragt und berücksichtigt sowie ein Umfeld schafft, in dem er zu Ruhe kommen und Abschied nehmen kann. Dies alles können wir mit gut aus- und fortgebildeten Mitarbeitenden in evangelischen Einrichtungen vom Krankenhaus bis hin zum Hospiz qualifiziert leisten. Mit Blick auf die demografische Entwicklung wünschen wir uns eine Stärkung dieses an Bedeutung gewinnenden Bereichs und eine angemessene Vergütung dieser umfassenden Leistungen", betont Radbruch.

Quelle: DEVK

Sozialverband VdK: E-Fahrzeuge brauchen Warngeräusche

Bildinhalt: E-Auto das an einer E-Ladestation aufgeladen wird.

Heute beginnt die „Woche des Sehens“. Begleitet wird sie durch Protestaktionen der Initiative „Elektrisch fahren tut hörbar gut“ des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Der Verband fordert gemeinsam mit weiteren Verbänden wie dem Sozialverband VdK, dass alle E-Fahrzeuge mit einem Warngeräusch ausgestattet werden. Dies kommentiert Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, wie folgt:

„E-Fahrzeuge können für alle, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, gefährlich sein. Denn anders als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind sie sehr leise, andere Verkehrsteilnehmer überhören sie deshalb oft. Besonders gefährdet sind Menschen mit Behinderungen, Ältere und Kinder. Die Lautlosigkeit der E-Fahrzeuge ist eine enorme Unfallgefahr. 

Dem Gesetz nach müssen alle ab Juli 2021 zugelassenen Hybrid- und E-Fahrzeuge ein Warngeräusch erhalten (AVAS: Acoustic Vehicle Alerting System). Aber: Jedes Fahrzeug, das bis dahin ohne AVAS auf die Straßen kommt oder schon dort fährt, muss nicht nachgerüstet werden und darf dauerhaft lautlos fahren.

Das ist aus Sicht des Sozialverbands VdK inakzeptabel, denn lautlose E-Fahrzeuge können für Fußgänger und Radfahrer gefährlich sein. Wir fordern, dass ausnahmslos alle E-Fahrzeuge mit einem AVAS ausgestattet und bereits angeschaffte Wagen nachgerüstet werden. Ganz wichtig ist uns, dass öffentliche Stellen ihre E-Busse und Dienstwagen mit einem Warngeräusch ausstatten lassen. Die öffentliche Hand sollte Aufträge, zum Beispiel den Abschluss von Leasingverträgen, nur an Anbieter vergeben, deren Fahrzeuge ein AVAS haben. Dies sollte ein Kriterium und eine Grundvoraussetzung bei jeder Vergabe öffentlicher Aufträge sein.“

Quelle: VdK

Der Europäische Tag für Organspende und Transplantationen ist am 12 Oktober 2019

Bildinhalt: Mehrere Organspendeausweise.

Jedes Jahr soll einem anderen Mitgliedstaat geholfen werden, der Tag wurde vom Europarat ins Leben gerufen. Jeden zweiten Samstag im Oktober findet der Europäische Tag für Organspende und Transplantationen statt.

An diesem Tag soll aufgeklärt werden über die Organspende und -transplantationen, oft ist keine leichte Entscheidung.

Durch Förderungen sollen die Mitgliedsstaaten bei Organspenden unterstützt werden. Laut einer Statistik von 2018„organspende-info“ stehen in Deutschland 9 500 Menschen auf einer Warteliste für ein Organ.

Die Transplantationsmedizin hat sich in den letzten Jahren immer weiterentwickelt für Herz, Niere, Leber und Lunge. In Europa auf der Wartliste stehen 70 000 Menschen. Diese deutet auf den Mangel an Transplantaten hin.

Die meisten Organspende in Europa gibt es in Spanien. Auf eine Millionen Einwohner gibt es 46,9 Organspender, dagegen ist europaweit in Deutschland die Organspende am wenigsten.

Bei der Organspende wird auf die ethischen Aspekte geachtet. So wird die Achtung eingehalten von Spendern und Empfängern, auch ist ein Handeln verboten mit Organen, Zellen und Gewebe.

32 europäische Länder sowie 25 Beobachterstaaten Weltgesundheitsorganisation (WHO), sowie die Europäische Kommission arbeiten gemeinsam auf dem Gebiet.

In diesem Jahr soll für Deutschland ein neues Organspende Gesetz im Bundestag verabschiedet werden. Wie wir bereits darüber berichtet hatten „Die Diskussion um Organspende geht weiter“. Im Artikel geht es um Jens Spahns Widerspruchsregelung, wenn man nicht zu Lebzeiten widersprochen hat wird man automatisch zum Organspender. Dieses hatte in den letzten Monaten für Diskussionen gesorgt. Ein Gegenentwurf haben die Abgeordneten Gegner aus diesem Grund ins Spiel gebracht. 

Dabei sei der Kernpunkt des Entwurfes, dass die Widerspruchspflicht nicht mehr Bestandteil des Transplantationsgesetzes sein wird. Über ein zentrales Register sollen erfasst werden, wer sich freiwillig als Spender meldet. In Regelmäßigen Abständen sollen die Bürger/innen auf ihrer Spendenbereitschaft abgefragt werden. Beispielsweise beim Abholen des Personalausweises könnten die Spendenbereitschaft befragt werden.

Gesprochen wurde auch über eine zyklische Beratung zur Organspende, bspw. beim behandelnden Hausarzt. Auch das Thema Datenschutz wurde in der Bekanntmachung, auf Anfrage, mit thematisiert. Hier will man natürlich ein Register mit sicheren Zugangsmethoden schaffen. Ob es dann über das Ident System des Personalausweises oder durch simple PIN- Zugänge laufen wird, ist noch nicht bekannt geworden. Im Bundestag soll noch in diesem Jahr entschieden werden über das neue Organspende Gesetz. Für welchen Entwurf ist noch offen.

Quelle: esot.org, organspende-info

Mensch in einer Behindertenwerkstatt ist ein Arbeitnehmer

Bildbeschreibung: Mensch an einem Arbeitsplatz für behinderte Menschen.

Gerade Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten, sehe es an jedem Ende des Monats. Sie sind mit ihrer Entlohnung nicht im geringsten am Mindestlohn dran. André Thiel aus Halle (siehe Bild), kritisiert das und kämpft seit Jahren vor den Arbeitsgerichten für sein Recht. Schließlich hat er als körperbehinderter Mensch, nach dem Besuch einer Sonderschule, einen Realschulabschluss und kann seine IHK-Prüfung zur bürokaufmännischen Fachkraft nachweisen. 

Seit Jahren kämpf er dabei vor Gericht um sein Recht und ist sogar bereit, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zu gehen. Zwar ist er bisher vor den Deutschen Gerichten gescheitert. Die Motivation für Herrn Thiel, hier weiter zu kämpfen ist ein Fachbeitrag, der schon in der Überschrift besagt: "Behinderte Menschen in europäischen Behindertenwerkstätten sind unionsrechtlich Arbeitnehmer – Anmerkung zu EuGH, Urt. v. 26.03.2015, C-316/13 (Rs. Fenoll)" und im wesentlichen die Aussage in der Entscheidung "Der Begriff „Arbeitnehmer“ im Sinne von Art. 7 Richtlinie 2003/88/EG (Arbeitszeitrichtlinie) und Art. 31 Abs. 2 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRCh) ist dahin auszulegen, dass er eine Person, die in einem Zentrum für „Hilfe durch Arbeit“ tätig ist, einschließen kann." 

Ganz so einfach scheint das aber im Deutschen Rechtsystem nicht zu sein denn: "Die Beschäftigung in Werkstätten entspricht nicht der Erwerbsarbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt." und genau darauf berufen sich auch viele in Deutschland gefällte Urteile und vermitteln den Betroffenen das Gefühl hier aufgrund ihrer Behinderung, schlechter behandelt zu werden.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMG) hat sich uns gegenüber zu dem Urteil vom EuGH () ganz klar geäußert und schreibt : "Die Richtlinie 2003/88/EG betrifft die Arbeitszeitgestaltung. Der EuGH hatte in der Rechtssache C-316/13 die Frage zu klären, ob eine Person, die in ein CAT (Centre d‘aide par le travail nach französischem Recht) aufgenommen ist, Arbeitnehmer im Sinn der Richtlinie ist und damit Anspruch auf einen Mindestjahresurlaub nach Artikel 3 der Richtlinie hat. Der EuGH hat entschieden, dass der Begriff „Arbeitnehmer“ im Sinn der Richtlinie eine solche Person einschließen kann. Die Entscheidung bezieht sich ausdrücklich nur auf den Begriff des Arbeitnehmers im Sinne der Richtlinie. Sie kann deshalb nicht zur Auslegung des Arbeitnehmerbegriffs nach deutschem Recht im allgemeinen herangezogen werden. Dafür hätte der EuGH auch gar keine Entscheidungskompetenz." - Es fehlt also jeder Bezug, der in dem Fachbeitrag zu dem Urteil zu finden ist.

Auch das Bundesarbeitsgericht in Erfuhrt, hat die Klage von Herrn Thiel 2017 ab und begründete es damit, dass arbeitnehmerähnlichen Arbeitsverhältnisse in Behindertenwerkstätten nicht mit denen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vergleichbar seien. Eine Tatsache, die auch Herr Thiel nicht abstreitet. Aber die hohe Differenz zwischen dem Mindestlohn und den Zahlungen in einer WfbM, sieht Herr Thiel als nicht gerechtfertigt.

Sieht man die Formulierungen und das Ziel, auch in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen, sowie auch die Kritik aus der UN an der Einhaltung und Umsetzung des UN-Sozialpakts, kann man die Ansätze und die Gründe, zumindest auch Mindestlohn für Menschen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu erreichen, durchaus nachvollziehen, denn in einer Gesellschaft die Inklusion als Ziel hat, darf es nicht dazu kommen, dass Menschen mit Behinderungen, durch das System an den sozialen Rand geschoben werden. Genau das ist aber mittlerweile nichts ungewöhnliches in Deutschland.

Angela Merkel hat in ihrer Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt: "Wir müssen es schaffen, dass alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Lebensbiografie mit einbringen können, wenn wir gemeinsam unsere Zukunft gestalten" und es sind genau diese Worte die eigentlich dazu dienen sollten, auch Menschen mit Behinderung in diese Gesellschaft zu inkludieren. Gelungen scheint das nicht, wenn Menschen wie André Thiel aufzeige, wie Menschen in Werkstätten zwar arbeiten dürfen, aber am Ende davon nicht leben können. 

Was am Ende bleibt, ist wieder der lange Klageweg, durch alle Deutschen Instanzen, damit überhaupt eine Grundlage besteht, vor dem EuGH zu klagen.

 

 

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